Rotting Hill (Simon): Zuerst mal: wie geht’s dir, ist alles klar bei dir und wie gefällt dir das Festival bisher? Chris: Wir sind erst heute angekommen. Mir geht es bisher ganz gut. Wir sind erst seit drei Stunden hier, hatten einen kurzen Einblick, haben uns das Ganze mal angesehen, es passt eigentlich. Matschig ist es halt, das ist das einzige Problem. Aber wir halten uns eh mehr im VIP-Bereich auf.
RH: Ihr spielt dieses Jahr zum ersten Mal auf einem Metalfest, früher Summer Nights. Wart ihr schon auf einem früheren Summer Nights, falls ja, findet ihr dass sich etwas verändert hat? Chris: Ich war 2009 einen Tag am Summer Nights, das war schon relativ vielversprechend, und das, was ich jetzt gesehen habe, ist noch größer. Also es baut sich immer mehr auf. Zumindest kann man froh sein, dass Österreich so ein Riesen-Metalfestival hat. Ein anderes Festival, welches vor zehn Jahren stattgefunden hat, war sicher kleiner als dieses, das ganze Drumherum.
RH: Was ist das für ein Gefühl für euch, auf der Bühne zu stehen und euer Musik zu spielen? Chris: Das ist eine gute Frage. Deswegen spielen wir ja auch live, weil wir gern unsere Musik live rüberbringen und die Energie, die hinter der Musik steckt, so am besten ausdrücken können. Auf der CD ist es einfach nicht dasselbe wie live. Und ich glaube, dass man diese Energie spürt.
RH: In eurer Heimatstadt Graz ist die Dichte an Black Metal-Bands relativ gering, zumindest ist wenig bekannt. Kannst du vielleicht einige Bands empfehlen? Chris: Ich muss dich zuerst mal korrigieren, wir sind eigentlich aus Bruck an der Mur, aber ist ja egal. Naja, was gibt’s noch interessantes an Black Metal...da wären zum Beispiel Asmodeus aus Graz oder ??? aus Judenburg...viel mehr gibt es eigentlich nicht.
RH: Wie schaut es mit der Szene generell aus in der Steiermark? Chris: Wir haben wenig Kontakt zu der ganzen Szene, wir haben unseren Freundeskreis, und fertig. Wir haben ganz wenig Kontakt zu anderen Bands.
RH: Grundsätzlich? Chris: Nein, das hat sich einfach so ergeben. Wir kennen die Leute von Asmodeus sehr gut und auch die von Stormnatt, aber das sind eher Bekanntschaften und keine Freundschaften.
RH: Euer letztes Full-Length-Album Cold is vor zirka einem Jahr erschienen. Wie läuft bei euch der Songwriting-Prozess ab, schreibt ihr alleine, im Studio, im Proberaum...? Chris: Wir schreiben immer zuhause, die Grundideen... Wir sind drei Songwriter, Isiul, Malthus und ich, hauptsächlich. Und dann kommen wir mit den Ideen in den Proberaum, dort wird das dann mit dem Schlagzeuger ausgearbeitet. Wir haben jetzt auch einen neuen Schlagzeuger, Svart hat vor gut vier Monaten aufgehört. Das mit dem neuen Schlagzeuger hat uns jetzt beim Songwriting natürlich ein bisschen zurückgeworfen weil wir für die ganzen Live-Auftritte proben mussten. Nach dem Metalfest geht’s wieder los, wir haben schon vier, fünf Songs fertig und ich hoffe, dass wir das dieses Jahr noch aufnehmen können.
RH: Wird es also vielleicht 2010 noch ein neues Album geben? Chris: Nein, rauskommen wird es sicher erst nächstes Jahr, aber wir planen, es 2010 noch aufzunehmen.
RH: Wie war denn das Feedback von Presse und Fans zu eurem Album Cold? 
Chris: Das war sehr unterschiedlich, ich glaube die Leute waren teilweise überfordert weil Cold ein bisschen in eine andere Richtung geht als das, was ich früher alleine gemacht habe. Aber die Leute werden sich schon dran gewöhnen. Live merkt man, dass die Songs gut ankommen und mit den Verkäufen sind wir auch ganz zufrieden. Ich glaube, wir haben einige Leute vergrault und einige dazu gewonnen mit dem Material. So, wie es bei vielen Bands einfach ist, die in eine eigene Richtung gehen.
RH: Genau zu dieser Stilrichtung habe ich die nächste Frage. Seit Cold ist diese doch ziemlich unkonventionell. Ist der Grund dafür, dass ihr euch vom Einheitsbrei abheben wollt? Chris: Nein, das entsteht ganz natürlich. Ich meine, wir schreiben sicher keine Songs wo wir sagen, das muss jetzt ein Pop-Lied werden, vom Aufbau und von der Struktur. Die Songs entstehen einfach so, wie die Energie beim Schreiben des Liedes gerade ist. Wenn es einem schlecht geht, schreibt man ein ruhigeres Lied, wenn’s wieder cooler ist eine thrashige Nummer und so, das fließt extrem bei uns hinein. Wir haben nicht so eine genaue Richtung. Einfach aus dem Herz heraus, das ist das Wichtigste.
RH: Ihr seid ja zur Zeit bei Napalm Records. Seid ihr mit dem Label zufrieden und wird das nächste Album wieder über dieses erscheinen? Chris: Ja, ich glaube schon, dass es wieder über Napalm rauskommen wird, obwohl wir noch nicht konkret mit ihnen darüber geredet haben weil wir noch nicht wissen, wann es rauskommen soll, weil wir noch keinen Studiotermin haben. Aber wir sind sehr zufrieden mit Napalm. Das eröffnet uns auch viel mehr Möglichkeiten als kleinere Labels.
RH: Dann hätte ich noch eine Frage zum Live-Spielen: Spielt ihr lieber auf so großen Festivals wie diesem hier, oder lieber in kleinerem Rahmen wie Clubs oder kleine Konzerte? Chris: Beides eigentlich. Wir haben erst vorige Woche in der Schweiz gespielt, das war auch total geil, wenn da was los ist und die Stimmung passt, dann auf großen Festivals genauso. Insofern, von der Bühnen-Performance, bevorzugen wir größere Bühnen weil wir Sachen aufbauen wollen, und auf kleinen Bühnen geht das nicht so gut. Auch von der Intensität her ist das total verschieden, auf Festivals ist halt mehr Drumherum, und es ist auch anstrengender als Club-Konzerte. Im Club ist halt alles zentral, und hier ist alles irgendwo. Also wir haben beides gern. Aber lieber in einem Club vor 500 Leuten als auf einem Festival zur Mittagsstunde. Deswegen haben wir uns auch dazu entschieden, im Zelt (3rd

Stage) um Mitternacht zu spielen als hier auf der zweiten Bühne um 12 Uhr Mittags.
RH: Okay, von unserer Seite war’s das auch schon wieder. Willst du zum Schluss noch etwas sagen, für eure Fans oder unsere Leser? Chris: Nein (lacht).
RH: Passt, dann bedanken wir uns für das Gespräch, und viel Spaß noch. Chris: Kein Problem. Danke.
Interviewdatum: Mai 2010
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Redakteur: Simon