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Northern Lights Festival 2010 [25.-26.06.2010]


nlf-flyer

Nach einem Total-Zusammenbruch und der darauf folgenden Neu-Aufsetzung meiner Festplatte geht der Bericht des Northern Lights Festivals nun endlich online.

Bevor ich mit den Berichten der einzelnen Gigs, denen ich beigewohnt habe, beginne, möchte ich einige allgemeine Worte zu der ganzen Festivität an sich verlieren. Ein fettes Lob geht an die mehr als perfekte Organisation. Wie im Vorbericht bereits erwähnt, passt die Location sehr gut zum Northern Lights Festival. Das Zusammenspiel von Line Up, Schloss Waldenfels und Umgebung und den großteils sehr gemütlichen Leuten macht einfach eine einzigartige Atmosphäre, die sonst sehr selten bei Festivals anzutreffen ist.
Vor allem mit Übersichtlichkeit kann die Location punkten. Manche werden sagen, das ist nicht schwer bei so einem relativ kleinen Festival. Und das stimmt auch. Doch das beinhaltet gleich den weiteren Pluspunkt: Das NLF ist kein Massenauflauf, sondern eine recht familiäre Zusammenkunft von Black und Pagan Metallern. Trotzdem fiel dem geneigten Besucher, der schon letztes Jahr mit dabei war, auf, dass 2010 wahrscheinlich doppelt so viele Besucher anwesend waren, was der guten Stimmung allerdings keinen Abbruch tat und zudem dafür sorgte, dass laut Veranstalterin die schwarzen Zahlen erreicht wurden. Das heißt, wir dürfen uns schon jetzt auf das Northern Lights 2011 freuen.

Auch sonst fehlte es an nichts: sehr gut sortierte Merchandise-Stände direkt vor der Burg von diversen Labels wie zum Beispiel Einheit Produktionen boten dem Underground-Fan alles, was das Herz begehrt.
Für Verpflegung war ebenfalls hinreichend gesorgt. Ein Stand mit diversen Speißen, gleich neben den Merch-Zelten, und alles an Getränken von Met über Bier bis zu Captain Morgan sorgten für das leibliche Wohlbefinden.

Tadel gibt es allerdings für einige Besucher: Viele waren offenbar zu betrunken oder zu dumm, um zu bemerken, dass die Dixi-Klos über eine Spülung verfügten, was die hoffnungslosen Verstopfung der meisten Toiletten zur Folge hatte. Hier sollte man nächstes Jahr vielleicht einen Hinweis anbringen, damit die Scheiße nicht wieder fast bis zum Halse steht.
Und der Spezialist, der es geschafft hat, den Brunnen im Burghof zu beschädigen, sollte ausfindig gemacht werden, damit ihm die Rechnung präsentiert werden kann. Wegen solchen Schwachköpfen wird das einzige Black/Pagan Metal Festival Österreichs gefährdet!

Doch genug der langen Vorreden, kommen wir schließlich zum musikalischen Programm, denn darum geht es ja hauptsächlich bei einem Festival.
Der erste Tag wurde, mit Ausnahme von Heimdalls Wacht und Besatt, von der Pagan-Fraktion dominiert.

Den Beginn für mich machten die österreichischen Heiden Bifröst, welche als zweite (nach Varulv) auf dem Programm standen. Diese boten 40 Minuten lang melodischen Pagan Metal vom Feinsten und konnten trotz der recht frühen Stunde (17:00) schon einige Besucher vor die Bühne ziehen und begeistern.

Hromovlad habe ich leider verpasst, dafür konnte ich die Show der Italiener Draugr, die schon 2009 dabei waren und aufgrund vieler Wünsche im Forum auch dieses Jahr geholt wurden, genießen. Die Südländer spielen ebenfalls melodischen Heidenmetal, allerdings durch gut eingesetzte Keyboards episch angehaucht. In ihrem eigenen Land scheinen Draugr schon einen gewissen Status erreicht zu haben, und auch hier in Österreich dürfte ihnen das nun vollends gelungen sein. Denn nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit ihrer Performance können die Italiener das Publikum sehr schnell gewinnen und Stimmung machen.

Danach ging es Schlag auf Schlag weiter mit namhaften Bands des Undergrounds. XIV Dark Centuries, Vorzeige-Pagan Metaller aus Deutschland, zogen schon ordentlich viele Besucher vor die Bühne und enttäuschten diese auch nicht. Eine Stunde lang spielten sie eine gute Auswahl aus ihrem Material, einige ihrer altbekannten Songs brachten die Leute zum Mitgrölen und Trinkhörner-Heben.

Die darauffolgenden Heimdalls Wacht waren mein persönliches Highlight des Freitags, und ich hatte das Glück, ihrem Konzert in der ersten Reihe beizuwohnen. Dieser Gig war ja, wie von Saruaman schon vorher im Internet bekannt gegeben, einer der zwei letzten der Band für unbestimmte Zeit. Und man merkte, dass die Jungs dabei nichts anbrennen lassen wollten. Eine sehr energiegeladene Show mit allen Klassikern sorgte für viel Headbangen und lautes mitgrölen- und schreien der Texte unter den zahlreichen Fans, die den Platz vor der Bühne in einen kleinen Hexenkessel verwandelten.

Besatt, eine sehr schlagkräftige Schwarzmetall-Truppe aus Polen, waren für den Freitag Headliner, da Nomans Land wegen des Verlustes ihres Equipments erst am Samstag auftraten. Der düstere Sound von Besatt war jedoch wie geschaffen für die späte Uhrzeit und um einen würdigen Abschluss des ersten Tages zu bilden.

Am Samstag war ich pünktlich bei den österreichischen Black Metal-Lokalmatadoren Stormnatt vor der Bühne. Von deren Darbietung war ich allerdings eher enttäuscht, es hat etwas gefehlt. Möglich ist auch, dass es einfach zu früh (12:30) für solchen hartgesottenen Black Metal war. Sehr unpassend fand ich auch die Aktion mit dem Blut-Herumspritzen. Wenn eine Band zur Mittagsstunde vor einem Haufen verkaterter Typen spielt, die nur gemütlich mit einem Bier in der Hand dastehen, dann passt das Blut einfach nicht so ganz zur Stimmung.
Weiter ging es mit Rabenwolf, eine Band für Liebhaber von eher freundlichen Dudelsack-Klängen. Naja, was soll man sagen… nett, aber nichts Besonderes. Wobei ich es gut finde, dass mit dieser Band etwas Abwechslung in das ganze Programm kam und gute Laune ist auch nicht immer was Schlechtes.

Die nächste Band, Flammensturm, die Pagan Black Metal lieferten, begeisterten aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen ein relativ großes Publikum. Ich fand das Konzert sehr fad, kein Klischee wurde ausgelassen (schon in der ersten Ansage des Sängers, welche sich um das typische Vorväter-Gelaber etc. drehte), und außerdem können sich die Jungs wohl nicht zwischen Pagan und Black Metal entscheiden (germanische Mythologie und Corpsepaint passen einfach nicht zusammen). Und auch spieltechnisch haben mich die Kärntner nicht vom Hocker gehauen. Vom Doublebass-Spiel des Drummers will ich gar nicht anfangen, denn diese Ungenauigkeit ist eines Live-Auftrittes nicht würdig.

Nachdem ich von Flammensturm weggeekelt wurde, verpasste ich drei Bands und war erst bei den deutschen Black Metallern Moredhel wieder vor der Stage. Diese Band ist genau das richtige für Fans von richtig schönem Old School Black Metal. Die Aufmachung, das heißt Outfit und Bühnendeko, entsprach ebenfalls den altbekannten Vorschriften der übertrven Vollidioten, doch mich interessiert primär sowieso die Musik, und mit dieser konnten Moredhel überzeugen. Harte Prügel-Passagen wechseln sich mit groovigeren Nummern ab, was meiner Meinung nach immer eine gute Mischung ist. Obwohl sich einige Besucher über die Coverversionen von Moredhel beschwert haben, fand ich diese ganz in Ordnung (zum Beispiel True Blackness von Satanic Warmaster).

Danach gab es wieder etwas ganz anderes: Die italienische Sackpfeifen-Truppe FolkStone versetzte das Publikum mit bierigem Mittelalterrock/ Metal in Party-Stimmung. Dieser Programmpunkt diente sicher als Verschnaufpause, denn danach ging es heftigst zur Sache und abgesehen von der russischen Folk-Combo Arkona gab es nur mehr Black Metal.

Den Anfang der letzten vier Bands des NLF 2010 machten die Österreicher Astaroth, die vor allem durch ihr Outfit auffielen: Schwarze Hemden, kein Corpsepaint, keine Springerstiefel, keine Nieten usw. Danke, dass es wenigstens eine Band gab, die nicht auf diesen ausgelutschten Klischees herumreitet. Astaroth spielten ihre Songs und coverten noch Quintessence von Darkthrone, alles in allem war der Auftritt aber nichts Besonderes.

Danach spielten die französischen DSBM-"Szenestars" Nocturnal Depression, die sehr viele Leute vor die Bühne zogen. Einige waren jedoch da, weil sie schon auf die nächsten Bands (Arkona und Nargaroth) warteten, und störten im Vorfeld, indem sie sich über Depressive Black Metal lustig machten. Naja, sehr reifes Verhalten nenn' ich das nicht, aber sei’s wie’s sei. Nocturnal Depression waren definitiv die beste Band des Tages im Bereich Black Metal, und das sage ich nicht aufgrund meines persönlichen Musikgeschmacks, sondern weil sich die Franzosen am meisten den Emotionen ihrer eigenen Musik hingaben und eine schöne, düstere Atmosphäre erzeugten.

In Sachen Pagan und Folk Metal war allerdings ganz klar die nächste Band für viele Besucher das Highlight: Arkona. Die Russen rund um Frontfrau Masha boten alle ihre besten Songs und legten die volle heidnische Energie in ihre Show, vor allem Masha gibt auf der Bühne immer alles und reißt die Massen mit sich. Nachdem ich Arkona aber bereits zum dritten mal gesehen habe, muss ich auch etwas bemängeln: sie ziehen immer die gleiche Show ab. Allerdings immer mit der gleichen Power.

Als letzte Band des Northern Lights Festivals 2010 spielten, wie schon 2009, Nargaroth, die wohl umstrittenste Black Metal Band im deutschsprachiegn Raum überhaupt. Es gibt zwei Sorten von Zusehern im Publikum: Die Nargaroth-Hasser (die eigentlich des Burghofes verwiesen werden hätten sollen) und die fanatischen Anhänger. Letztere würden gerne das Konzert genießen, doch Erstere sehen sich  permanent dazu veranlasst, doch Zwischenrufe die Stimmung zu vermiesen. Ich bin und bleibe der Meinung, das man Konzerten von Bands, die man nicht mag, nicht beiwohnen muss.

Soviel dazu, doch nun zum Gig von Nargaroth: Kurz gesagt, dieses Konzert war einzigartig. Neben den üblichen Stücken wie Black Metal ist Krieg, I burn for you, dem Burzum-Cover von War und dem Mayhem-Cover von Freezing Moon, bestand die Setlist aus dem kompletten Jahreszeiten-Album und dem vollständigen Lied Seven Tears Are Flowing To The River, bei dem Kanwulf für das Intro selbst zur Gitarre griff.

An Sound und spielerischem Können der Musiker gibt es nichts auszusetzen, besonders den Drummer, der sein Handwerk offensichtlich sehr gut versteht, gilt es hervorzuheben. Er hat die schnellen Doublebass-Passagen am Ende von Sommer so gespielt, wie sie auf dem Album zu hören sind. Respekt.

Zum Schluss möchte ich auch noch einige lobende Worte für die Soundtechniker und die Crew loswerden. Der Sound war mehr als perfekt, da konnte der beschissene Sound eines Metalfest Open Airs nicht einmal ansatzweise mithalten. Und die Leute von der Crew sind immer freundlich geblieben und haben ganze Arbeit geleistet.

Also, Respekt an die Organisation und alle Leute, die mitgeholfen haben, dass das Northern Lights Festival auch in diesem Jahr wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde.

Redakteur: Simon
Festivaldatum: 25.-26.06.2010
Homepage: http://www.northern-lights-festival.com/
Kommentare
#1 | Sumerian Warcry am 22. Juli 2010 19:25
zum nargaroth vorfall:

es war vorher unbekannt was diese Trottel auf die bühne werfen wollten. Gerüchte besagten "Steine und Scheisse". is klar das man da auf den zahn fühlt, ausserdem sollte einem klar sein dass eine BM band auch zu dem steht was sie propagiert. dann gibts eben mal haue. ham sich die jungs selbst ausgesucht.

Das Moredhel Cover wurde falsch zitiert, die haben einen andren song von SW gecovert.
#2 | Sumerian Warcry am 22. Juli 2010 21:45
und der typ der den brunnen zerstört hat wurde meines wissens auch dafür belangt
#3 | Lik am 22. Juli 2010 22:11
es war vorher unbekannt was diese Trottel auf die bühne werfen wollten. Gerüchte besagten "Steine und Scheisse". is klar das man da auf den zahn fühlt, ausserdem sollte einem klar sein dass eine BM band auch zu dem steht was sie propagiert. dann gibts eben mal haue. ham sich die jungs selbst ausgesucht.


Kann ich so unterschreiben.
#4 | Gehenna am 23. Juli 2010 23:24
Korrigiere: der Typ, der den Brunnen zerstört hat, ist nach wie vor nicht bekannt!
Zur Nargaroth Störaktion: keiner hat das Recht, egal was auf ne Bühne zu werfen! Wenn einem eine Band nicht zusagt, ist man nicht gezwungen, dem Auftritt beizuwohnen!
In jenem Fall wurde nicht nur diese geistreiche Aktion verhindert, sondern auch noch die Zerstörung von Inventar des örtlichen Bogensports geklärt. Wer sowas unter "Festivalspass" (O-Ton jener Deppen) versteht, sollte NL künftig meiden!
Die Kanwulfsche Attacke... ein Gerücht!
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