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Guten Tag! Als erstes möchte ich mich bei dir für dieses Interview bedanken. Gianluca, du bist der Kopf hinter dem Projekt "Arctic Plateau", welches wie eine melodische Mischung aus Post-Rock und Shoegaze klingt. Wann hast du mit dem Musikmachen begonnen und was waren deine Absichten, als du "Arctic Plateau" gegründet hast? Als erstes... einen schönen Tag. Den wünsche ich dir auch! Der Embryo von "Arctic Plateau" wurde zwischen 2005 und 2006 geboren. Nachdem ich jahrelang in verschiedenen Kontexten Musik gespielt habe, entschied ich mich dazu, ein persönliches Projekt namens "Arctic Plateau" zu gründen. Mit dem Musizieren habe ich circa 1984 angefangen, aber das habe ich von meiner Familie geerbt. Mein älterer Bruder war ein toller Bassist. Vor einigen Jahren habe ich dann angefangen, klassische Gitarre zu spielen. Danach habe ich ein wenig Jazz-Harmonie mit einem Lehrer gelernt. Ich spielte sowohl Metal als auch New Wave, aber ich habe nie Musik gemacht (oder gehört), die nichts mit der Musik von "Arctic Plateau" gemeinsam hat. Wie würdest du die Musik von "Arctic Plateau" beschreiben? Gibt es Bands mit denen du deine Musik vergleichen würdest? In der Vergangenheit habe ich viel Musik gehört, meine Einflüsse könnten unzählbar sein; ich definiere meine Musik als eine konstante Entwicklung, eine Art See, der kein Ende hat... Soweit ich weiß schreibst du alleine die komplette Musik. War das eine Herausforderung für dich? Und welches Instrument ist dasjenige, mit dem du deine Musik komponierst? Wie wichtig sind dabei die Session-Musiker für das Endergebnis? Ja, ich schreibe jede einzelne Note allein und in völliger Isolation vor der Welt, wenn möglich. Am besten nachts. Ich habe niemals das Schreiben von Musik als eine Herausforderung angesehen - niemals. Ich habe mich nie abgemüht, Musik zu schreiben, zu komponieren und zu Hause meine Pre-Produktionen aufzunehmen; ich mache all diese Sachen seit 1993, als ich mir meinen ersten 4-Track-Rekorder von Fostex gekauft habe. Ich arbeitete zu der Zeit als Wart einer Tankstelle. Damals spielte und produzierte ich in den Nächten viel Musik. Alle meine Freunde wissen das. Sogar sie können sich an meine "ersten Schritte" erinnern... Deine letzte Frage möchte ich sehr ehrlich beantworten: Es ist wichtig, Leute um dich herum zu haben, die deine innere Sprache verstehen. Bisher ist der einzige Musiker, mit dem ich noch keine Probleme hatte, mein Drummer, Massimiliano; er ist ein Teil des Live Line-Ups, an dessen Vorbereitung ich angefangen habe zu arbeiten. Jeder kann die Techniken seines Instruments lernen, aber was den Unterschied für mich ausmacht, (zusätzlich zu der Vorbereitung des Instruments) sind die Qualitäten "Loyalität" und "Dankbarkeit". Wenn ich ehrlich bin, darf man meine Absichten nicht hintergehen. Wenn du loyal zu mir bist, bin ich dir dankbar. Aber die Dinge laufen eben nicht immer so. Ab hier kannst du dir wohl den Rest erschließen. Das Projekt ist für mich etwas sehr persönliches und empfindliches, anders kann ich es nicht machen. Die Kindheit und die damit verknüpften Emotionen scheinen ein fundamentaler Bestandteil deiner Musik zu sein. Allerdings hast du anscheinend eine andere Sicht auf das Thema als Bands wie "Alcest". Was fasziniert dich daran und wie drückst du dies in deiner Musik aus? Ich habe keine sonderlich schönen Erinnerungen an diese Zeit. Zeitweise steckt sehr viel Wut in mir, wenn ich mich an Ereignisse aus meiner Kindheit erinnere. Ich denke, ich habe in einem Maß gelitten, welches es zulässt, jetzt all meine Gefühle (und jene aus meiner Kindheit) durch meine Musik zu verarbeiten. Man könnte es Rache nennen; eine Herausforderung ist es aber nicht. In diesem Jahr hast du dein aktuelles Full-Length-Album "The Enemy Inside" veröffentlicht. Kannst du das Konzept dieser Veröffentlichung und die Unterschiede zu dem Debüt-Album "On a sad sunny Day" beschreiben? Bei "The Enemy inside" spreche ich über eine traurige Erwachsenenwelt aus der Sicht eines Kindes. Dieses Kind hat gleichzeitig eine menge Melancholie aus der Sicht eines Soldaten erfahren. Das Konzept entstammt auch diesem inneren Konflikt. Deswegen, und in Anbetracht anderer wichtiger Elemente, halte ich das Album für zorniger als das Debüt. Tot der Unschuld, Erziehung, die Entscheidungen eines Mannes; das Album steckt voller Bezugspunkte zu diesem Aspekt des Lebens, aber auch zu der Gegenwart. Es spricht nicht nur zu der Vergangenheit, ich erkläre es dir so: Das erste Album hat einen Traum beschrieben, das Zweite das Erwachen. Was ist die Bedeutung des inneren Feindes ("The Enemy Inside") und inwiefern ist dieser im alltäglichen Leben bemerkbar? All deine Entscheidungen sollten deinem eigenen Bewusstsein entspringen, aber funktioniert das Leben immer so? Ich rede hier nicht von Rationalität, noch nicht einmal von Schicksal. Wir könnten genauso gut über das komplette Jahrhundert reflektieren. Aber dafür ist keine Zeit, die Zivilisationen haben alles um sich herum zerstört. Versuche dir das Ende der Welt und all diese Dinge durch die Augen eines Kindes vorzustellen. Wäre das nicht Wahnsinn? Eine deiner Zeilen lautet: "Music’s like a memory that never dies...". Kannst du deine Meinung zu dem Thema der Vergänglichkeit erläutern? Und wie ist es in Verbindung zu der Kindheit als Konzept des Albums zu verstehen? Das Konzept der Vergänglichkeit ist etwas, das ein Kind durch die Erziehung übernimmt, das ist unvermeidlich; die Erziehung bewirkt das und noch viel mehr. Ansonsten hätte das Kind keinen Rahmen für das Weltverständnis. Etwas seltsam unumgängliches. Vergänglichkeit und viele andere Begriffe entstammen der Erwachsenenwelt. Das ist nicht wertend gemeint, ich beobachte nur, aber mir gefällt absolut nicht was ich sehe. Ist das deiner Meinung nach Vergänglichkeit? Was die Zeile "Music’s like a memory that never dies..." betrifft: Musik ist nur der Weg inmitten dieser Welt zu überleben. 2011 wurde eine Split mit der französischen Band "Les Discrets" veröffentlicht. Was ist das Konzept dieser Veröffentlichung und gibt es mehr Demo-Material, das veröffentlicht werden könnte? Die Split beruht auf der gegenseitigen Wertschätzung unserer Projekte. Wir beide sind immer sehr beschäftigt, aber wir würden gerne zukünftig weiterhin zusammen arbeiten. Ich habe eine menge Demo-Material, welches veröffentlicht werden könnte. Vielleicht werden wir so etwas auf die Beine stellen... Ich weiß es nicht... Bist du jemals live aufgetreten? Und was macht in deinen Augen ein perfektes Konzert aus? Zur Zeit bin ich interessierter an Live-Konzerten als jemals zuvor. Ich arbeite schon eine ganze Weile an dieser Sache. Weißt du, "Arctic Plateau" ist keine Live-Band, aber ich arbeite an diesem Aspekt, weil es schwieriger für mich ist als für jede andere Band. Ich brauche eine sichere Struktur von Musikern. Wenn ich mich zu etwas entscheide, möchte ich es auch gut machen. Wenn ich an Italien denke, fallen mir spontan vor allem elegische, ruhige und Ambient-Bands wie "NoSound" und "Selaxon Lutberg" ein. Ist das lediglich ein subjektiver Eindruck oder existiert wirklich so etwas wie eine Bewegung in diesen Genres? Tatsächlich existiert da etwas, ja. Ich kenne das "NoSound"-Projekt. Ich mag es und schätze die Musik. Mir gefällt zwar nicht all ihr Video-Material, aber es ist in Ordnung für mich. Ich höre mir gerne solch eine Musik an, aber so etwas wie eine Szene existiert hier in Italien nicht. Wenn du hier etws produzierst, das "ungewöhnlich" klingt, sagen gleich alle, dass du progressive Musik machst. Ich mag keine progressive Musik und die Bezeichnung gefällt mir auch nicht. Es gibt zu viele Ausdrücke, die in Mode sind, wie Emo, Indie, und so weiter. Der Rest ist schon in Ordnung. Ich werde weiterhin meine Musik machen und keinen Trends folgen. Arbeitest du zur Zeit an einem neuen Album für "Arctic Plateau" oder hast du davon abgesehen andere Musik-Projekte? Ich ziehe es gerade vor, meine Aufmerksamkeit dem Schreiben von neuen "Arctic Plateau"-Liedern zu widmen. Vielen Dank für das Interview, ich hoffe es hat dir gefallen! Die letzten Worte gehören dir. Ich bedanke mich bei dir und dem RottingHill-Team für die Aufmerksamkeit und das nette Interview. Vielen Dank und beste Grüße aus meinem kleinen Heim-Studio in Rom. Gianluca Arctic Plateau
Interviewdatum: März 2012 Homepage: HIER Redakteur: Tim
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