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Rusty Pacemaker [Mai.2012]

Rusty Pacemaker


Grüß' dich, Rusty! Schön, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst! Könntest du dich für die Leser, denen der Name "Rusty Pacemaker" nichts sagt, vielleicht vorstellen?

Also, ich bin Rusty Pacemaker. Rusty ist schon seit vielen Jahren, also lange bevor ich mit der Musik angefangen habe, mein Spitzname – wegen den roten Haaren. Irgendwann habe ich mir überlegt: "Ich mache jetzt Musik und brauche einen Namen". Da bin ich auf "Pacemaker" gekommen, weil es mir irgendwie gut gefallen hat. So wie "Lemmy Kilmister" – da ist ungefähr der gleiche Rhythmus im Namen. Ich komme aus dem Raum Wiener Neustadt, mache seit circa zehn Jahren aktiv Musik und habe vor anderthalb Jahren die erste CD veröffentlicht. "Blackness And White Light" heißt sie.


Eine "tiefere Bedeutung" hat dein Synonym an sich also nicht?

Naja, es ist natürlich auch irgendwie ein Wortspiel, weil es "rostiger Schrittmacher" heißt. Sinn oder tiefere Bedeutung... ich wollte, dass er sehr vage ist, damit man nicht sofort sagen kann "das ist Black Metal" oder "das ist Gothic Metal", oder sonst irgendetwas. Es soll eine schöne Rhythmik sein und eben nicht zu bezeichnend für ein Genre. Das war mir wichtig, damit ich nicht gleich kategorisiert werde.


Rusty PacemakerDas erste Album hast du über "Solanum Records" herausgebracht, was ja wiederum du selbst bist. Warum war es dir so wichtig, dass du dein eigenes Label hast, um deine Musik zu publizieren?

Im Nachhinein betrachtet bin ich eigentlich froh, dass ich jetzt alle Rechte habe. Am Anfang hatte ich keine Ahnung, an wen ich mich wenden oder wohin ich die Musik schicken soll. Ich habe dann halbherzig ein paar CDs verschickt an Black Mark, Nuclear Blast, Century Media und so weiter, welche ja die großen Labels sind, wo du sowieso nicht hineinkommst, wenn du nicht vorher schon etwas herausgebracht hast oder jemanden kennst. Aber egal, ich habe mir gedacht, ich gründe einfach selber eines. Natürlich muss man dann die ganze Vermarktung und so selbst machen. Ich habe mich da hineingearbeitet, Einzelgewerbe gegründet und alles, was da so dazugehört. Ich habe mir auch lange einen Label-Namen überlegt, denn es gibt ja schon jeden [grinst]. Wenn man etwas googelt, dann findet sich das schon tausend Mal. "Solanum" kommt ja eigentlich aus der Biologie und heißt "Nachtschattengewächs", was auch ganz gut passt, finde ich. Das Problem war dann der Vertrieb, aber letztes Jahr habe ich bei 7Hard unterschrieben, dem deutschen Vertriebs-Label, und jetzt ist die CD in ein paar Geschäften in Deutschland erhältlich, bei Mailordern in ganz Europa und als Download weltweit.


Wie darf man sich den "Rusty Pacemaker" denn im Studio vorstellen? Schlaflose Nächte vor dem Musik-PC oder eher acht Stunden-Sessions, bei denen total seriös gearbeitet wird?

Puh, seriös... was ist schon seriös? Ich bin auf jeden Fall eher ein Morgenmensch. Das heißt, ich bin eher Vormittags und tagsüber auf einem guten Level beim Arbeiten, und werde am Abend oft müde und unkonzentriert. Ich sitze zwar schon manchmal bis spät in die Nacht, aber dann eher beim Editieren oder Schneiden, oder beim Nachbessern von irgendwelchen Sachen, aber das Aufnehmen selber spielt sich meistens tagsüber ab. Dadurch, dass ich einen unregelmäßigen Job habe, kann ich mir das ganz gut einteilen und wenn Zeit übrig bleibt, verschanze ich mich im Studio.


Wie man es ja auch im Booklet lesen kann, hast du die Instrumente alle selbst eingespielt, mit Ausnahme vom Schlagzeug und der weiblichen Stimme, logischerweise. Wer hat dich denn bei diesen Aufnahmen unterstützt?

Beim Schlagzeug war das Franz Löchinger, der übrigens ein super Schlagzeuger ist. Auf dem letzten "Heathen Foray"-Album hat er gespielt, eine Zeit lang bei "Goddamned X", früher bei "Vanitas" und bei "Third Moon" hat er auch mitgespielt. Das Tolle an ihm ist, dass er auf allen möglichen Stilrichtungen total sattelfest ist. Er spielt auch Jazz und sonstiges, und das kommt mir zu Gute, weil ich sowieso die verschiedensten Sachen ausprobieren möchte, und da passt er sich super an. Der weibliche Gesang ist eine gute bekannte von mir, "Lady K.", wie es im Booklet auch steht. Sie hat eine schöne Stimme und wird auch beim neuen Album bei zwei Liedern vertreten sein.


Du machst ja schon relativ lange Musik, wie du vorhin gesagt hast. Welches war eigentlich das erste Instrument, das du gelernt hast?

Abgesehen von der Blockflöte in der Volksschule, wobei ich da immer noch drei Lieder kann [lacht], war es die Gitarre. Ich habe einmal ein Gitarrenset geschenkt bekommen zu Weihnachten, mit einem Mini-Verstärker – also so ein Starter-Set. Zuerst war ich mir unsicher, ob ich mit diesem Geschenk überhaupt etwas anfangen kann, weil ich es mir selbst eigentlich nie zugetraut hätte, ein Instrument zu spielen. Musik konsumiert habe ich schon immer sehr intensiv, quer durch alle Gitarren-orientierten Stile von Gothic über Black Metal und so weiter. Ich habe 800 CDs zu Hause und war immer schon sehr intensiver Zuhörer und auch Konzertbesucher. Unterricht habe ich nie genommen. Ich habe mich hingesetzt und einfach irgendetwas gespielt und geschaut, was da herauskommt. Irgendwie hatte ich dann das Gefühl, ich will jeden Ton selber neu erfinden, mich nicht von außen anlernen, sondern einfach spielen und schauen, was dabei herauskommt. Es hat dann das Eine zum Anderen geführt, habe mir einen Bass dazugekauft und noch eine zweite Gitarre – natürlich eine bessere. Dazu einen fetten Verstärker, Aufnahmegeräte... irgendwie davon getrieben, dass ich dann einmal ein Lied fertigstellen kann – also mein eigenes Lied. "Cell", das erste Lied auf der CD, war quasi auch das erste Lied, das ich je geschrieben habe. Ich kann auf den Instrumenten auch nichts anderes spielen als meine eigenen 19 Lieder – also die zehn von der ersten CD und neun von der zweiten. Ich habe nie Interesse gehabt, das Riff von "Metallica" oder von sonst irgendjemandem zu spielen, weil es schon einhunderttausend Mal gespielt wurde. Es macht vielleicht Spaß und covern ist sicher ganz lustig, aber eigentlich geht es mir darum, kreativ zu sein, etwas zu schaffen, etwas zu finden und zu entdecken. Einfach die eigene Lieblingsmusik zu kreieren.


Und was hat dich schlussendlich dazu animiert, "Blackness And White Light" zu schreiben?

Da hat eben das Eine zum Anderen geführt – ich wollte einfach das erste Lied haben. Ich brauchte einen Sänger, also habe ich gesungen. Ich brauchte einen Bass, also habe ich den Bass in die Hand genommen. Irgendwann hat sich dann immer mehr herauskristallisiert, dass ich eigentlich eine CD machen will. Das ist mir mehr oder weniger so passiert, denn einen Plan habe ich dahinter nie gehabt. Es ist immer alles mehr geworden... mehr Geräte, mehr Lieder geschrieben, mehr geübt und irgendwann war die Sache dann klar für mich, dass es ein Album wird. Bei dem Lied "Blackness And White Light" selbst war ich mir auch gleich sicher, dass die ganze CD so genannt wird. Das Cover hat sich zufällig ergeben, als ich in England bei diesem Haus war, das wohl jeder kennt. Zuerst war es nur als Gag geplant, aber dann ist das Foto so cool geworden, dass ich mir gedacht habe, dass ich es gleich als Cover nehme. Irgendwann, nach jahrelanger Arbeit, war dann die CD endlich fertig!


Hat es einen bestimmten Grund, warum das ganze Rusty PacemakerAlbum von der lyrischen Seite her englisch gehalten ist?

Puh... wahrscheinlich liegt es daran, dass von den 800 – oder vielleicht sogar schon 900 – CDs, von denen ich vorher gesprochen habe, 95% oder sogar 99% in englischer Sprache gehalten sind. In der Musik gefällt mir die deutsche Sprache irgendwie nicht so gut. Ich bin zum Beispiel kein "Rammstein"-Fan. Es gefällt mir persönlich einfach nicht so sehr. Ich bin mit der englischsprachigen Musik aufgewachsen. Mir gefällt es schon, wenn etwas aus der nordischen Mythologie in schwedischer oder finnischer Sprache daherkommt, wie "Finntroll" oder diese ganzen Sachen. Man versteht zwar nichts, aber es passt zu der Musik. Aber eigentlich war das für mich von Anfang an sonnenklar, dass ich englisch singen werde. Die Frage, ob deutsch oder englisch, hat sich mir gar nicht gestellt.


Das Album vermittelt ja eine relativ depressive Atmosphäre. Wie würdest du die Kernaussage von "Blackness And White Light" beschreiben?

Ich habe es selbst immer als eher melancholisch befunden, aber ich habe sehr oft gehört, dass es sehr depressiv wirkt, und dass es den Tag zerstört. "Soundtrack of a broken man" hat auch jemand aus Kanada geschrieben. Ich habe dann viel darüber nachgedacht, auch eben über "Soundtrack of a broken man", wo ich mir dann schon selbst Sorgen gemacht habe was da los ist mit mir, ob ich vielleicht suizidgefährdet bin [lacht]. Die nächste CD schlägt mit den sehr depressiven Zeilen teilweise genau in diese Kerbe, aber ich bin an und für sich ein sehr ausgeglichener Typ. Irgendwann, wenn man sich mit gewissen Dingen beschäftigt, wenn man ein bisschen hinaus schaut, wenn man aus dem Kindheits- oder Jugend-"Universum" herauskommt und sieht, was da so abgeht auf der Welt, ist man dann vielleicht wirklich ein "Broken man", in gewisser Weise. Man denkt sich einfach, wie scheiße das alles ist, was da abrennt. Damit beschäftige ich mich dann auch textlich und thematisch. Melancholie hat für mich sowieso schon immer eine große Rolle gespielt in der Musik, denn ich bin darauf gekommen, dass fast alle CDs, die ich habe, irgendwie melancholisch sind. Es ist für mich eine wunderschöne Kombination, die Melancholie mit der Musik, und das gepaart mit kritischen Texten oder den eigenen dunklen Seiten. Es ist natürlich alles irgendwie überzeichnet dargestellt in der Kunst oder Musik, so auch die ganzen negativen Sachen. Ich habe aber auch immer das Gefühl, dass ein gewisser Hoffnungsschimmer in meiner Musik ist, und vielleicht auch textlich, aber Sommerhits liegen mir nicht so. Die schreibe ich nicht. Letztendlich passiert mir das alles so, und ich könnte mich auch nicht hinsetzen und sagen, ich schreibe ein Lied das jetzt so oder so klingt. Ich habe immer das Gefühl, dass ich ein Lied zufällig finde, entdecke, ausgrabe, oder wie auch immer man dazu sagen möchte. Wenn es dann fertig ist, hätte es gar nicht anders passieren können, hätte es gar nicht anders sein können, kommt mir vor. Aber wie gesagt... depressiv stimmt schon teilweise.


Das Album enthält Einflüsse aus sehr vielen verschiedenen Genres, also ist ja quasi für fast jeden Geschmack etwas dabei [grinst]. Liegt es daran, dass du dich von so vielen Seiten hast inspirieren lassen, oder ist es einfach genau das, wo du sagst "so muss Musik klingen"?

Da würde ich eigentlich beides mit "Ja" beantworten. Natürlich sind es die Einflüsse. Ich mag sowohl Old School-Sachen, also von den Anfängen des Metal mit "Black Sabbath", aber auch "Jethro Tull", "Uriah Heep" und diese ganzen Sachen, bis hin zum ärgsten Black Metal. Ich versuche mir da immer gewisse Stimmungen einzufangen, die mich faszinieren. Sei es sehr stimmungsvolle Musik wie die neueren Sachen von "Enslaved", die eine ganz eigene Stimmung haben. Ich versuche diese Stimmung dann irgendwie – ich will jetzt nicht sagen – zu "reproduzieren, eher zu "entdecken", aber meistens wird es dann bei den eigenen Sachen wieder anders. Aber es sind auf jeden Fall die Einflüsse. Was man hört, was einen gefällt, will man irgendwie ähnlich machen. Ich kann ehrlich sagen, dass ich nicht versuche, irgendjemanden zu imitieren, aber es lässt sich auch nicht verhindern. Das ist im ganzen Leben so. Man ist die Summe aus den Erfahrungen, die man im Leben macht, und so ist es auch beim Musik Hören und Machen. Letztendlich ist es so, wie ich vorhin schon gesagt habe... man will die eigene Lieblingsmusik machen. Man will die Musik machen, die einen am besten gefällt. Ich für mich möchte das zumindest so.
Meine Lieblingsmusik stelle ich mir einfach so vor. Ich weiß, dass sie Schwächen hat, denn im Kopf kann man sich ja alles mögliche zusammenbasteln. Aber es klingt dann auf der Gitarre plötzlich wieder anders, als man es sich ausgemalt hat, was aber auch wieder gut ist, denn es kommen oft Sachen heraus, von denen man selbst dann überrascht ist.


Du sagst, es ist melancholisch, andere sagen, es ist depressiv... in welches Genre oder in welchen Stil würdest du deine Musik denn selbst einreihen?

Es hat mir eigentlich immer geschmeichelt, wenn die Leute gesagt haben, dass meine Musik schwer kategorisierbar oder nur schwer in ein Genre zu stecken ist. Bis auf das "Depressive" beziehungsweise "Melancholische", was ja der scheinbar einzige, einheitliche Nenner meiner Musik ist [lacht], habe ich für Promo-Blätter eine Bezeichnung finden müssen, und ich habe mich dann irgendwann entschieden, Dark Alternative Metal dazu zu sagen. Viele sagen, es ist mehr Rock als Metal, manche sagen, es ist eher eine Fusion aus Rock und Metal, aber es ist auf jeden Fall dunkel, also "Dark", und Alternative, weil es irgendwie eine Alternative zu den bestimmten Genres ist, weil es sich eben nicht einreihen lässt. Es ist einerseits vage genug und andererseits kann man sich doch ein bisschen vorstellen, was man da so hören könnte. Also für mich ist es momentan einfach Dark Alternative Metal.


Rusty PacemakerGibt es irgendwelche Bands oder Künstler, die deiner Meinung nach in etwa so klingen wie "Rusty Pacemaker"?

Hoffentlich nicht! [lacht] Diese Frage ist schwer zu beantworten. Gewisse Elemente kann man vielleicht heraushören. Ich habe zwei, drei Mal gelesen, dass es ähnlich klingt wie "Agalloch". Ich kenne diese Band eigentlich gar nicht – nur vom Namen her. Habe zwar schon etwas darüber gelesen, aber noch nie etwas von ihnen gehört, aber ich bin schon mit den ruhigeren Sachen von ihnen verglichen worden. Aber eigentlich fällt mir niemand ein. Ich eifere auch niemandem nach. Elemente wird man immer wieder finden, die an diese oder eine andere Band erinnert, aber selbst könnte ich nicht sagen "Ich klinge so wie der oder die".


Was waren oder sind deine größten Inspirationsquellen?

Also von "Black Sabbath" und "Ozzy" an über "Motörhead" – aus meiner Kindheit – und als der Metal immer extremer wurde, bin ich bei "Bathory" angelangt. Ich habe Quorthon einmal eine Email geschrieben, die er mir auch beantwortet hat, was eine total schöne Erfahrung für mich war. Umso schlimmer war es, als er dann verstorben ist. Was die ganze Herangehensweise an das Projekt betrifft, hat mich das immer total beeindruckt, wie Quorthon das gemacht hat. Er hat sich nichts geschissen mit den ganzen Trends und Sonstigem. Viele haben gesagt, dass es lächerlich ist, was er macht, mit dem ganzen "Viking Stuff". Aber ich habe das nie verstanden, wenn Leute irgendwelche bestimmten Erwartungen einem Musiker gegenüber haben. Es ist eigentlich viel schöner, wenn man es so nimmt, wie es kommt. Bei Quorthons Solo-Sachen oder der Hauptband "Bathory", die ich beide sehr mag, ist das immer total authentisch 'rübergekommen, und das hat mich immer beeindruckt. Er ist auch einer meiner Lieblingsmusiker, beziehungsweise "Bathory" eine meiner Lieblingsbands.
Wie gesagt, ich habe sehr viel zu Hause. Manchmal grabe ich irgendeine CD nach zehn Jahren das erste Mal wieder aus und dann taugt mir das so, dass ich mir denke, ich probiere auf der Gitarre etwas Ähnliches aus und schaue, was dabei herauskommt. Egal ob das "Moonspell" ist oder irgendetwas Altes – die Auswahl ist breit gefächert. Alle Genres und Metal-Bands, die es seit "Black Sabbath" gibt – zumindest alles, was ich so kenne – sind eigentlich ganz gut abgedeckt, also auch von Death über Black Metal und so weiter. Da kann man sich überall etwas holen, weil alles irgendwie super ist.


Du benutzt in deiner Musik gewisse psychedelische Einflüsse, wie mir beim Rezensieren deines Albums aufgefallen ist. Ist diese Technik gewollt eingesetzt oder spielst du dich einfach so lange, bis es so klingt, wie es schlussendlich für dich gut klingt?

Beides. Gewollt und natürlich muss ich mich auch oft spielen, bis es so klingt, wie ich will. Eine Atmosphäre ist mir total wichtig. Wie gesagt, ich mag total viele Metal-Sachen, aber was ich nicht so mag, ist das reine Aggressive. Vielleicht bin ich aus diesem Alter raus, ich weiß es auch nicht, aber das strürmisch-aggressive von diesen Metalcore-Bands ist das, was mir eigentlich überhaupt nicht gefällt und wovon ich keine CD habe. Für mich geht es immer um Atmosphäre, und wie man das letztendlich erreicht, ist egal. Manchmal ist es eine Anhäufung von verschiedenen Instrumenten, die dann teilweise im Hintergrund ablaufen und die man eher unbewusst wahrnimmt, aber prinzipiell versuche ich es schon mit den zwei Grundinstrumenten – also Bass und Gitarre, beziehungsweise zwei Gitarren. Wenn ich zufrieden bin mit dem, was ich damit komponiert habe, dann hat das von Haus aus, obwohl es vielleicht nur zwei oder drei Spuren sind, eine dichte Atmosphäre. Wenn ich das so erreicht habe, ist mir das am Liebsten so. Da kann ich dann eh noch eine Solo-Gitarre d'rüberspielen, oder vielleicht mit der Akustik-Gitarre im Hintergrund, aber irgendwie muss schon das Grundriff eine gewisse Atmosphäre haben. Gepaart mit dem Bass kommen da immer interessante Sachen raus. Das psychedelische, von dem du gesprochen hast, freut mich, dass du das auch so hörst, denn das war beabsichtigt. Daran arbeite ich eigentlich immer. Für mich ist es eher ein Stimmungsbild malen oder eine Geschichte erzählen, als eine Abfolge von Strukturen. Es soll immer ein musikalisches Gemälde sein, dass eine gewisse Grundstimmung hat – die eben meistens depressiv ist [grinst].


Seien wir ehrlich, "Blackness And White Light" ist eine relativ – ich will nicht sagen – eigenartige, oder besser ungewöhnliche Musik. Glaubst du, man muss mit viel Kritik rechnen, wenn man etwas macht, das vielleicht nicht so im Mainstream liegt? War das bei dir auch der Fall?

Eigentlich hätte ich mir gar nicht so viel positive Kritik erwartet wie ich bekommen habe. Natürlich habe ich auch teilweise sehr vernichtende Kritiken bekommen mit "Kann nicht singen", "Alles scheiße", "Sound beschissen" und so weiter, aber wenn man Kritik haben will, muss man sie auch einstecken können. Ich habe aber sehr viele positive Kritiken bekommen. Obwohl die Platte soundtechnisch ihre Schwächen hat und eigentlich nicht dort ist, wo ich sie ursprünglich haben wollte – was mir aber aufgrund Mangel an Erfahrung oder technischen Geräten nicht besser gelungen ist – bin ich insgesamt zufrieden damit. Es ist eben ein Status von dem Zeitpunkt damals, und jetzt würde, beziehungsweise mache ich auch vieles anders bei der neuen CD, was eh normal ist. Wenn die Leute schreiben, dass man gar nicht erklären kann, wie es klingt, als müsste man zum Beispiel einem Blinden eine Farbe erklären, dann gefällt mir das. Ich mag das, und deswegen ist es für mich von den Kritiken her ein voller Erfolg. Jetzt muss es sich dann nur noch finanziell zu Buche schlagen [lacht].


Du hast gesagt, dass teils vernichtende Kritik Rusty Pacemakerauch dabei war. Glaubst du das liegt daran, dass es eben nicht massentauglich ist, oder wird "solche" Musik vielleicht generell schlechter bewertet?

Dass solche Musik generell schlechter bewertet wird, glaube ich nicht. In meinem Fall ist es aber einfach nicht Jedermanns Sache. So gesehen hast du vielleicht doch wieder recht, wenn bei einem, der auf den Mainstream konzentriert ist und sich mit den Bands beschäftigt, die gerade "angesagt" sind, so etwas daherkommt wie meine Musik und sich der dann vielleicht auch noch denkt "singen kann er auch nicht", dann wird es ihm wurscht sein. Ich werde von keinem großen Label vertreten und bin völlig unbekannt. Da wird sich jemand, dessen Geschmack das nicht trifft, sicher nichts antun und einfach schreiben, wonach ihm gerade ist. Aber es ist mir auch egal – ich bleibe dabei. Mainstream ist es nicht und wird auch die nächste CD nicht sein.


Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass es mit einer so eigenständigen Musik schwer sein wird, den großen Erfolg zu machen. Ist das überhaupt Sinn und Zweck von deinem Projekt, oder welche Erwartungen stellst du selbst an deine Musik?

Die einzige Erwartung, die ich an meine Musik stelle, ist, dass ich damit zufrieden bin und dass sie mir gefällt. So, wie ich vorhin schon gesagt habe, soll es eine Lieblingsmusik von mir sein, und letztendlich ist es auch eine Art Selbstverwirklichung oder eine textliche, thematische Aufarbeitung von gewissen Sachen, die man im Leben erlebt. Ich glaube, so geht es jedem Musiker. Als ich angefangen habe, die Lieder zu schreiben, habe ich nicht daran gedacht, dass ich sie irgendwann veröffentlichen werde oder hier mit dir sitzen werde, um ein Interview darüber zu führen. Aber es geht immer Schritt für Schritt weiter. Ich kann nur das auf der Gitarre spielen, was ich kann, und ich kann nur die Lieder schreiben, die mir passieren. Mehr geht nicht, und das mache ich weiter.


Also Reichtum erwartest du dir nicht von der Musik, liegt also nicht in deinem Interesse [grinst]. Was wäre deine Reaktion, wenn du bemerken würdest, dass deine Musik auf einer illegalen Download-Plattform für Jedermann bereitsteht?

Also nein, Reichtum erwarte ich mir nicht [grinst]. Natürlich hat jeder das Ziel, von seiner Lieblingsbeschäftigung zu leben. Was will man beruflich machen? Musik machen, Fußball spielen, … da hat jeder seine Vorstellungen, aber jeder weiß auch, dass das nicht so einfach geht. Ich habe das Gefühl, dass ich ganz am Anfang von meiner Karriere, wenn ich das überhaupt so nennen darf, stehe und wenn ich es wirklich sehen würde, dass meine Platte auf einer illegalen Download-Plattform erhältlich ist, dann wäre es mir wahrscheinlich sogar egal. Dann ist es eigentlich Werbung, wenn die Leute das hören. Das will man ja! Ich will ja, dass die Leute meine Musik hören. Natürlich wäre es schön, wenn sie mir dafür etwas zahlen würden [grinst], aber letztendlich will ich gehört werden. Und wenn das so ist, ist es gut so!


Im Vorfeld hast du mir schon gesagt, dass du an einem zweiten Album arbeitest, dass den Titel "Ruins" tragen wird, wenn ich mich da richtig erinnere. Kannst du uns verraten, was sich darauf so abspielen wird? Was gibt es zu hören, was tut sich da?

Es werden neun Lieder sein, knapp über 50 Minuten ungefähr, und der Titel wird "Ruins" sein. Ich mag das Wort! Der Titel stand eigentlich schon nach Fertigstellung der ersten CD fest, weil ich das Wort einfach mag. Dieses Dunkle, das "U" in "ruin" [grinst]. Vor allem hat es natürlich auch wieder mit Tod und Zerstörung und Depression zu tun [lacht], aber es ist halt ein schönes Wort! Nicht, dass ich die Lieder daraufhin aufgebaut hätte, dass jetzt alles so klingt. Es werden sehr viele unterschiedliche Lieder darauf sein. Es wird eine Art "Power-Ballade" geben, und auch zwei, drei Lieder, die vielleicht ein bisschen gefälliger und weniger sperrig sind als die auf der ersten CD – ich will nicht sagen "kommerziell" – und auch kürzere Tracks, wo ich mich ein bisschen reduziert habe. Aber zum Beispiel der Titel "Ruins" selbst wird sieben, acht Minuten dauern, ein anderes Lied auch noch so lange. Dann sind auch progressivere Sachen dabei, die sich vielleicht länger dahinziehen und wo mehr passiert oder sich eine gewisse Stimmung aufbaut. Ansonsten weiß ich selbst noch nicht, wie es klingen wird, wenn alles fertig ist.


Stilistisch hast du ja gesagt, gibt es ein paar – um es so zu nennen – "Ausreißer", wenn man "Blackness And White Light" kennt. Aber vom Grundprinzip her doch relativ ähnlich, oder hast du auch etwas komplett Neues eingearbeitet?

Es sind vielleicht schon die einen oder anderen Elemente dabei, die man so nicht von mir kennt. Aber wenn man eben "Blackness And White Light" kennt, ähnelt auch – glaube ich – kein Lied dem Anderen. Es sind immer wieder verschiedene Elemente dabei. Das eine ist mehr im Rock einzuordnen, das andere eher im Black Metal, beziehungsweise bediene ich mich der Ästhetiken vom Black Metal. Irgendwie wird die neue CD in die selbe Kerbe schlagen. Nämlich in die, dass doch jedes Lied wieder in eine eigene Kerbe schlägt. Die Grundstimmung wird schon ähnlich sein, was auch schon im Titel liegt. Ich bin mir also treu geblieben mit der neuen Scheibe [grinst], und hoffe aber doch, durch einige neue Elemente überraschen zu können. Bis jetzt bin ich sehr zufrieden damit, wie es läuft.


Hast du vor, dass du deine Musik auch live umsetzt, oder denkst du, dass das eher nicht passieren wird?

Ich habe ja vorhin schon gesagt, dass Quorthon irgendwie mein Vorbild ist, und er hat sich selbst immer als "One-man-no-show"-Band bezeichnet. Das sage ich momentan eigentlich auch von mir. Was mich am Meisten antreibt, ist das Lieder Schreiben und kreativ Sein, und live ist es momentan einfach schwer umsetzbar für mich, weil ich keine Band bin und keine Band habe. Rusty PacemakerIch müsste mir Musiker suchen und auch bezahlen, ich habe das Label selbst gegründet und müsste mich auch um die Promotion kümmern und die Gigs aufstellen. Das wäre viel Zeit, viel Energie und viel Geld für etwas, das ich mir momentan für mich eigentlich gar nicht vorstellen kann und auch gar nicht will, weil ich lieber die neue Platte aufnehmen will. Aber sag niemals nie... wer weiß, was passiert! Vielleicht habe ich in ein paar Jahren Lust, auf die Bühne zu gehen, und es ergibt sich. Man lernt Musiker kennen, die dann plötzlich mitmachen wollen, …oder wie auch immer. Aber momentan kann ich es mir einfach vom Zeit- und Geldfaktor nicht leisten, da etwas auf die Beine zu stellen, was sich dann auch wirklich auszahlt, und zwar ohne, dass es ein Verlustgeschäft wird.


Also ist die Zukunft noch relativ offen...

Kann man sagen, ja.


So, Rusty, ich bin mit meinen Fragen durch! Ich danke dir für deine Zeit und dass du den Weg nach Wien auf dich genommen hast. Gibt es noch etwas, das du an die Leser richten möchtest?

Danke einmal an dich für das Interview, für die Einladung und das ganze Interesse an meiner Musik, und auch an dich, Claudia, für die Fotos. Jedem, der diese Zeilen im Magazin lesen wird, danke ich auch für das Interesse und ich hoffe, dass ich auch mit der neuen CD wieder ein paar Leute erreichen kann.


Interviewdatum: Mai 2012
Homepage: http://www.rustypacemaker.com/
Redakteur: Wolfgang
Fotos: Claudia
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