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Talheim Records [August.2012]
Talheim Records

Ich grüße dich, Mathias! Danke fürs Zeit Nehmen! Wie geht's dir, alles klar bei dir?

Ja, viel zu tun, viele Ideen, viel geplant, aber sonst so weit so gut.

Erzähle unseren Lesern anfangs in ein paar Worten etwas über dich und Talheim Records.

Talheim Records habe ich mit 17 Jahren (mittlerweile bin ich 21) gegründet. Die Idee bestand darin, junge Bands zu fördern, die entsprechendes Potenzial haben und dennoch kaum Anklang fanden, da es zu wenig Labels gab, die sich die Zeit nehmen wollten/konnten, neue Talente von Anfang an zu schmieden.

Innerhalb von zwei Wochen wurden alle wichtigen Kontakte geknüpft. Zu Beginn waren wir noch als Distributor (Weiterverkäufer) tätig und wirkten bei Veröffentlichungen mit, auf denen jedoch nie unser Logo darauf zu sehen war. Im Nachhinein kann man auch froh darüber sein.

Anfänglich gab es viele Verzögerungen, weil ich damals, zugegeben, noch kaum Ahnung von den Produktionsabläufen, Qualitätsstandards etc. hatte. Auf Dauer hat sich jedoch einiges getan.

Grundsätzlich kann man noch sagen, dass Talheim Records ein österreichisches Musiklabel mit seinem Sitz in Wien ist. Wir kümmern uns vorwiegend um den Untergrund und fördern junge, talentierte Bands.

Bist du alleine für alles zuständig oder hast du noch weitere Leute an Bord, die dir bei Talheim Records helfen?

Talheim Records ist eher eine Gemeinschaft. Das bedeutet, dass es mehrere Leute gibt, die eher im Hintergrund sind, aber mir natürlich auch alles anvertrauen. Wir führen das Label sehr familiär, nicht wie sonstige Labels, die rein auf der geschäftlichen Ebene arbeiten. So stehen wir unseren Künstlern auch in der Not zur Seite, packen an und helfen mit. Es ist einfach ein familiäres Verhältnis zwischen Bands und Label, denn so arbeitet es sich auch einfach viel besser. Viele sagen zu unserem Slogan "United We Stand", dass Black Metal hasserfüllt und intolerant sein muss. Aber das sehen wir nicht so. Es ist nicht nur ein Musikgenre, es ist eine Lebenseinstellung. Man führt Tag für Tag einen Kampf mit der Gesellschaft, den Leuten und dem Leben selbst und das alles zu meistern ist die Kunst.

Vor allem im deutschsprachigen Raum ist die Gesellschaft auch oft verkorkst, was gewisse Dinge angeht, auch bezüglich des Black Metals, wie man schon öfters mitbekommen hat. Es wird politisiert und polarisiert, wo es nur geht. Viele versuchen auch, es zu boykottieren, indem man Lügen reinstreut, nur um den Leuten zu schaden, egal ob auf privater, geschäftlicher oder musikalischer Ebene.

United We Stand

Was ist das Besondere an Talheim Records und dessen Veröffentlichungen?

Das Besondere, eine gute Frage. Unsere ersten Veröffentlichungen waren qualitativ noch nicht die hochwertigsten. Die ersten beiden CDRs waren zwar nur CDRs, aber dennoch hochqualitativ produziert. Die späteren Veröffentlichungen mit dieser Tonträgervariante waren wiederum ganz simpel, sodass jeder normale Mensch, der einen Drucker hat und CD-Labels damit drucken kann, es genauso könnte. Einleger und Beihefte haben wir jedoch immer professionell herstellen lassen. Untergrund heißt ja nicht, dass es eine schlechte Qualität haben muss. Ebenso müssen wir auch darauf Wert legen, dass nicht nur der Sound gut klingt, sondern auch die Qualität der einzelnen Komponenten hochwertig ist. Es nützt niemanden etwas, wenn eine Veröffentlichung nur drei Jahre hält. Das ist nicht Sinn und Zweck der Sache.

Ebenso ist es bei den Kassetten, bei denen es einen Aufdruck gibt. Man kann auch in den nächsten Saturn gehen und welche kaufen, diese bespielen und sagen: "Das ist mein fertiger Release mit einem professionell gedruckten Einleger." Professionell ist das dennoch nicht, denn hochwertig ist ein Papieraufkleber oder Sticker noch nicht wirklich. Ein Aufdruck, so wie ihn die Unternehmen machen, macht einfach mehr her.

Wichtig ist, dass der Kunde etwas für das Geld erhält, nicht zu viel zahlt, aber dennoch gute Qualität bekommt. CDs kann man bei guter Pflege auch noch in 20 Jahren verwenden. Bei einigen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es irgendwann besser ist, die Musik auf dem Rechner zu haben, als sie weiterhin im CD-Player zu hören. Es ist nicht jeder auf einem gewissen Qualitätsniveau, denn Qualität kostet, das sollte man nicht vergessen.

Unsere Veröffentlichungen sind mittlerweile sehr teuer, aber das bezahlen wir gern, da sich durch die Feedbacks herausgestellt hat, dass die Leute diese Qualität wollen. Natürlich würden wir uns mehr Käufer aus dem österreichischen Raum wünschen, da es auch darum geht, den heimischen Black Metal zu fördern, aber ebenso Death und Thrash Metal etc. Es ist gut, auch ausländische Labels zu unterstützen, aber es wäre ebenso eine gute Sache, sich ein Bild von unseren Produkten zu verschaffen, da wir, obwohl es Untergrundmusik ist, sie dennoch mit den Veröffentlichungen größerer und bekannterer Labels mithalten können.

MathiasWas ist das Ziel, welches du mit Talheim Records verfolgst und gerne erreichen würdest?

Im Grunde genommen konzentrieren wir uns vorwiegend auf den Untergrund mit einem besonderen Augenmerk auf den österreichischen. Es gibt talentierte Bands, wie "NightForest" und "Ellende", oder auch "Nebelfront", die mit einem 1A-Debüt geglänzt haben, "Hyperion DB 369" aus Tirol und viele andere Bands, die mittlerweile unter unserem Banner sind. Sie haben alle sehr viel Potenzial und es ist schade, dass sie bisher nicht entsprechend gefördert wurden.

Unser Ziel ist es, diese entsprechend zu fördern, sie auf größere Festivals zu bringen, Interviews und Rezensionen zu verschaffen und vieles mehr. Nicht nur im Ausland weiß man, wie guter Black Metal zu klingen hat. Viele glauben, aus Österreich kommt nichts, das ist aber eher ein Klischee und dem versuchen wir ebenso dadurch entgegen zu wirken.

Was waren die bisherigen Hoch- und Tiefpunkte, die du in Zusammenhang mit deinem Label erleben durftest/musstest?

Die Höhepunkte waren, als ich bemerkt habe, dass die Leute auf unseren Slogan "united we stand" sehr positiv anspringen. Wir haben eine Labelphilosophie, dass wir sagen, wir sind nicht nur aufs Geschäft aus, sondern kümmern uns mehr um unsere Bands, denn diese sind einfach ein Teil einer Familie. Wir verfolgen zusammen das Ziel, dass der österreichische Black Metal gefördert und in die Welt gebracht wird. Unser Land hat nicht nur gute Skispringer und Formel 1-Fahrer, sondern auch talentierte Black Metal-Musiker. Es ist daher auch gut zu sehen, dass Veranstalter und Bands so gut zusammenarbeiten.

Ein weiterer Höhepunkt ist, dass wir demnächst ein eigenes Konzert veranstalten werden, wo wirklich alle zusammenhelfen. Sonst wäre das alles nicht möglich. So ist möglich, dass wir den Leuten Eintritt zu günstigen Preisen - € 10,- VVK, € 12,- AK - bieten können, mit einem tadellosen Line-Up, guter Tonqualität und Lichttechnik. Ebenso werden wir eine gute Verpflegung anbieten können. Dabei sind nicht nur die Bands, die mithelfen, sondern auch andere Leute, die uns organisatorisch unter die Arme greifen. Die Besucher sollen das Konzert genießen und mit einem guten Gefühl heimgehen.

Schön ist auch, dass wir es nach zwei Jahren endlich geschafft haben, drei eigene CDs von "Obskene Sonare", "Aschenglas" und "NightForest" zu pressen.

Tiefpunkte... Es ist so, dass Leute oft wegen Bands wie "Ziontod", "Aryan Art" oder "Blutschuld" meinen, wir wären Nazis, was natürlich nicht stimmt. Viele meinen z.B. bei dem Namen "Ziontod", dass dies nur etwas Antisemitisches sein kann. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass Zion die letzte Stätte, die letzte Festung des Glaubens ist.

"Ziontod" ist ein bisher unpolitisches Projekt. Der durch die Texte verdeutlichte Hass richtet vor allem gegen das Christentum, aber auch gegen andere Religionen. "Ziontod" selbst sieht sich nicht als NSBM-Projekt, greift jedoch teilweise die gleichen antisemitischen Überzeugungen auf.

Diese Stellungnahme von "Ziontod" wird oft belächelt, aber hieran erkennt man das stereotypische Denkmuster von vielen, was den Black Metal und den Nationalsozialismus angeht. Wenn man sich etwas damit befasst, dann gibt es im Nationalsozialismus viele antitheistische Aussagen. "Ziontod" richtet seine Texte gegen alle drei großen, monotheistischen Weltreligionen. Dass es auf der damaligen "Panzerschlag"-Demo nicht ersichtlich war/ist, ist uns ebenso bewusst.

Es ist jedoch ein Unterschied, ob ich versuche, plumpe Hetzerei zu machen oder ob es um den Glauben bzw. die Religionen geht. Das Wichtigste, was man nicht vergessen sollte, ist, dass es, wenn einmal das Wort "Juden" fällt, nicht immer auf das Volk bezogen ist, sondern auch auf den Glauben bezogen sein kann. Das muss man einfach langsam abwägen. Bei "Aryan Art" ist es so, dass das nichts mit Nationalsozialismus zu tun hat, sondern sich mit Patriotismus und der Natur in Bulgarien beschäftigt.

Sonst gab es bisher keine großen Tiefpunkte, außer, dass Leute erst immer falsche Thesen stellen, die man mühsam widerlegen muss. Das sind oft private Themen, die auch geschäftlich zum Problem werden können.

Warst du schon einmal an dem Punkt angelangt, dass du mit Talheim Records aufhören wolltest, bzw. woraus beziehst du die Motivation und Energie, damit weiterzumachen?

Jeder kommt irgendwann an den Punkt, wo er sagt, jetzt ist es gut und beendet die Sache. Ich hab' mir selbst schon oft die Frage gestellt "Lohnt sich das alles eigentlich?" "Lohnen" in dem Sinne, dass die Leute die Arbeit auch zu schätzen wissen, der ganze Stress, Hass, der einem entgegen geworfen wird sich auch auszahlt.

Wie bei allem, läuft es nicht immer gut. Es gibt seine Hoch und Tiefs, aber wenn die Kunden einen dann auch anschreiben und sagen, wie froh sie darüber sind, sich diesen oder jenen Tonträger oder Merch-Artikel zugelegt zu haben, dann weiß man, man ist auf der richtigen Seite.

Black Metal wäre nicht Black Metal, wenn man nicht irgendwo mal mindestens einmal in die Schusslinie gerät. Das kann einen mal härter oder schwächer treffen, aber solange man nicht aufgibt, die Leute hinter einem stehen, solange weiß man, dass eine Aufgabe der falsche Weg wäre.

Talheim Records GermanyWas sind deine weiteren Pläne für 2012?

Demnächst nicht mehr viel. Ich werde zum Wehrdienst eingezogen, welcher ab September ein halbes Jahr dauert. Das heißt, Talheim wird entweder von einem Freund von uns weitergeführt und ich werde versuchen, am Wochenende die wichtigsten Sachen zu klären und auch Bestellungen verschicken.

Es wäre natürlich toll, wenn die Leute auch auf Talheim Records Germany aufmerksam werden würden, denn viele wissen nicht genau, was es damit auf sich hat. Daher eine kurze Rundumerläuterung. Die meisten Leute glauben, Talheim Records wäre aus Deutschland. Aber nein, wir sind aus Österreich. Talheim Records Germany wurde einfach mit dem Gedanken als Distributor ins Leben gerufen, dass wir unsere Sachen auch weltweit vertreiben können, denn es bestand das Problem, dass unsere tolle Post im Mai 2010 neue Reglements eingeführt hat, nachdem sie von der BAWAG übernommen worden ist. Somit bedeutete das einen Versandwert von € 13,60 für Briefe, die dicker als zwei Zentimeter sind. Wir kalkulieren keinerlei Kosten für die Verpackungen (Karton, Luftpolstertaschen), sondern nur für den Versand. So wurde öfters gefragt, warum ins Ausland alles so teuer ist. Da waren uns die Hände gebunden. Als Reaktion darauf haben wir uns dazu entschlossen, ein Sublabel zu gründen, welches mittlerweile eher ein Label für Post-Rock, Shoegaze und Atmospheric Black Metal ist. Der Sitz ist in Rheinland-Pfalz. Das Label ist sehr aktiv und wird, sofern alles klappt, noch dieses Jahr den ersten Stand auf einem Festival haben. Für uns wäre es schön, wenn die Leute sehen würden, dass es Talheim Records auch in Deutschland gibt, mit welchem wir auch gute, günstige Konditionen außerhalb von Deutschland und in alle Welt bieten können. Wir hoffen, dass die Leute durch die ersten Releases von vorwiegend internationalen Bands erkennen, dass es ein selbstständiges Label ist.

Ansonsten haben wir für dieses Jahr keine weiteren Planungen mehr. Jedoch wollen wir eine ordentliche Webpräsenz, da wir nicht auf dem Blog bleiben wollen. Diese ist zurzeit in Arbeit und wird u.a. auch ein Forum beinhalten, in welchem sich die User anmelden und austauschen können. Ein ordentlicher Webshop wird kurze Zeit später folgen.

So, und nun etwas weg von Talheim Records zu etwas "Off Topic".

Da es immer wieder Bands gibt, welche einfach zu wenig Aufmerksamkeit bekommen: Welche Underground-Perlen kannst du unseren Lesern empfehlen?


Da würde ich gerne einige Bands empfehlen, wo ich etwas ausholen muss, da es doch einige Schmankerl sind. Zuerst auf Österreich bezogen...

"Nebelfront", denn nachdem ich damals das Album gehört habe, wusste ich, dass da Potential drin ist, obwohl die Qualität der Aufmachung nicht die Beste ist, aber die Qualität der Musik wirklich 1A ist.

Weiteres gibt es "Portae Obscuritas", "Hyperion DB 369", "NightForest" und "Ellende". Wer Melodic Death Metal mag, sollte sich auf jeden Fall "Erebos" anhören, welche auch gute Arbeit machen. "Aesta" aus Oberösterreich sind ebenso zu empfehlen, welche zwar jung sind, aber viel Potential haben. "Locus Neminis", welche echt DER Geheimtipp aus Österreich sind und "Obskene Sonare", auch wenn das Projekt mittlerweile leider aufgelöst wurde. Wer eher auf experimentelle Musik steht sollte sich "Aschenglas" zu Gemüte führen. "Aschenglas" wird gerne mit "Dornenreich" verglichen, obwohl sie mich damals eher an alte "Eisregen"-Veröffentlichungen erinnerten. "Waldschrat" proben zurzeit und werden in den nächsten Monaten ihr erstes Album veröffentlichen.


Nun gehe ich noch auf die internationale Ebene.

Aus Südamerika kann ich hier "ColdNight", "In Luna" und "Silence Of The Old Man" empfehlen. Aus Russland haben sich "TheHappyMask" und "Fall To November Sky" hervorgetan. "Vitaliy Sytnik" aus der Ukraine sind sehr talentiert, und aus Finnland, nicht aus Estland, noch "Ancient Hatred", welche ebenso viel Potenzial haben.

Wer eher auf rohen Black Metal steht, kann sich auf alle Fälle "Urlog", "Forbidden Eye" oder "Unhuman Disease" anhören.

Ansonsten kann ich noch "Forteresse" und " Chasse-Galerie" aus Kanada und "Winterblood" und "Rabensumpf" aus Deutschland empfehlen.

Man muss einfach nur genau schauen, denn Perlen und Schätze finden sich überall. Man muss nur öfters mal genauer hinsehen bzw. hinhören.

Abgedroschen oder nicht, was hältst du von der aktuellen (Underground Black) Metal-"Szene" in Österreich?

Ich würde sagen, eine Black Metal-Szene gibt es, gerade bei uns, nicht. Das Problem ist, dass sich viele Leute nicht besonders dafür interessieren und engagieren. Vor allem bei den letzten Wiener Gigs waren nicht wirklich viele Leute da. Das größte Potenzial und Interesse sehe ich momentan in Oberösterreich, in der Steiermark und in Tirol. Dort sind die Leute aktiv, tun auch etwas dafür und setzen sich auch richtig dafür ein, dass etwas passiert.

Dadurch, dass Black Metal sehr schnelllebig ist, sind viele Leute von damals, welche den Black Metal geprägt haben, nicht mehr dabei, was sehr schade ist. Wen ich z.B. noch gerne gekannt hätte, das sind die Leute von "The Call Of The Four Gates" oder "Werwolf". Bei "Obskene Sonare" hatte ich das Glück, dass ich ihn (Akanoth - Anm. d. Red.) persönlich kennenlernen durfte und er mich auch einige Jahre durch den Black Metal begleitet hat.

Ich bin froh, dass eine Band noch immer existent ist. Das ist "Hyperion DB 369", welche aus Musikern von "The Call Of The Four Gates" hervorgegangen ist. Sie unterstützen den Black Metal weiterhin mit ihrer guten Musik. Es ist schön, dass diese Urgesteine des österreichischen Black Metals noch nicht von der Bildfläche verschwunden sind.

"Früher war alles besser." Wahr oder falsch?

Früher war alles besser. Ich glaube, das ist eine Auffassungssache. Früher hat man sich gewisse Sachen gleich ausgemacht, Festivals waren eher ein Treffpunkt und wenn es gewisse Differenzen gab, hat es sozusagen auch einmal gescheppert. Die neuen Jungspünde wurden auf den Konzerten eher nach dem Motto angesehen, "Sag ja nichts Falsches!". Ebenso waren die Leute auch noch mehr interessiert am Black Metal, weil es etwas Neues war und sie sich damit mehr identifizieren konnten.

Viele Leute meinen, am 21.12. wird die Welt untergehen. Ich bin da eher der Meinung, es werden eine größere Wende und die resultierende Veränderung eintreten, was sich auch in den letzten Monaten durch diverse Ereignisse weltweit gezeigt hat. So wird auch im Black Metal eine große Veränderung stattfinden. In den letzten drei oder vier Monaten haben bestimmt fünf oder sechs Labels gesagt, dass sie dicht machen, was ich sehr schade finde, da auch Labels mit viel Potenzial dabei waren. Ohne ein Geheimnis daraus zu machen, kann ich sagen, dass momentan nichts mehr so ist und läuft, wie vorher. Ich habe mich daher auch mit anderen Labels unterhalten und oft gehört, dass man vom Black Metal nicht leben kann, auch wenn es einige versuchen. Das wird jedoch nicht funktionieren.

Was hältst du von dem momentanen Trend, Musik lediglich digital, also ganz ohne physische Tonträger, zu erwerben?

Also, ich verstehe die meisten Leute, die sagen, ich möchte es vor dem Kauf erst hören und sichergehen, dass ich auch etwas gekauft habe, worüber ich auch wirklich froh bin. Früher hat man auch Fehlkäufe getätigt, aber jetzt ist es eher so, dass es sich die Leute zuerst runterladen und anhören wollen, um sich einen Eindruck zu verschaffen. So haben wir mit Talheim Records und Talheim Records Germany einen "United Underground"-Sampler mit vielen Künstlern des Labels zum gratis Download angeboten, damit die Leute reinhören können. Was wir jedoch grundlegend nicht verstehen ist, wenn Leute sagen, dass sie ein Album super finden, es jedoch nur heruntergeladen und nicht legal gekauft haben. Gut, Leute, wenn ihr gute Musik haben wollt, müsst ihr die Labels zumindest auch unterstützen, denn alles kostet Geld. Wenn man nur noch runterlädt, kann man es auch so handhaben, dass Bands ihre Alben nur noch digital herausbringen, z.B. über Amazon, iTunes oder einen anderen Musicstore, und diese dort verkaufen. Die Labels kümmern sich nur noch um Merchandise und Promotion. Labels würden sonst nur noch weiter Geld hineinstecken und weiter Schulden machen, was ein Fass ohne Boden wäre. So kann man sich von den Leuten nur wünschen, dass sie es wertschätzen und die Musik auch kaufen. Denn Talheim Records war und ist ein sehr teures Hobby, was ich jedoch sehr gerne mache, da mich diese Musik durch mein Leben, durch gute und schlechte Zeiten, begleitet hat und weiterhin tun wird.

Der Trend ist momentan einfach, dass man sich ein Shirt einer Band kauft, aber alle Veröffentlichungen digital hat. Aber das ist nicht der Sinn der Sache.

Wie stehst du zu Streaming-Software, wie z.B. Spotify, was ebenfalls gerade extrem boomt?

Ich finde es nicht schlecht. Ich hab' das auch bei Bandcamp gesehen. Ich finde es schon gut, in Musik mal reinzuhören. Man soll nicht immer gleich den Teufel an die Wand malen, wie auch bei kino.to. "Das schadet der Filmbranche". Ich finde, das stimmt nicht so ganz.

Ich glaube nicht, dass alles in High Quality hochgeladen wird, aber ich denke, die Bands versuchen sich dadurch nur selber zu promoten. Es bleibt am Ende dem Hörer überlassen, was er tut. Promotion ist heute das A und O, denn als Studioband schafft man heute im Black Metal nichts mehr. Man muss live präsent sein und auch etwas können. Spotify ist vor allem auch für Bands, die nicht so viel live agieren können, sicher eine gute Option, um ihre Musik gut zu promoten. Aber es ist natürlich schade, wenn die Leute nur noch auf das umsteigen und sie zuhause keinen "Plastikmüll" mehr kaufen und froh sind, die Musik nur noch auf dem Rechner zu haben. Auf die Dauer wird sich das jedoch rächen. Es werden die Labels irgendwann zusammenbrechen, zuerst die kleinen, später auch die größeren. Am Ende werden dadurch auch die kleineren Bands eingehen, sodass auch die Reviewer Probleme bekommen werden, da sie nur noch die ganz großen Bands rezensieren können. Das ist alles eine riesige Abwärtsspirale, die von den Hörern sehr wohl beeinflusst werden kann.

Stand am Castle Invasion Festival 2012

Was ist für dich das Besondere daran, physische Tonträger, vor allem auf Platten und Tapes bezogen, und nicht nur digitale Dateien, zu besitzen?

Ich mache das mal Schritt für Schritt. Kassetten, die kleinen, schönen Tapes, sind einfach eine super Sache. Sie haben einen sehr nostalgischen Wert und hören sich ebenso gut an, auch wenn sie natürlich nie so gut klingen, wie eine CD. Aber das macht auch diesen speziellen Klang aus, wenn man das Band durchlaufen hört. Das hat schon was für sich. Oft höre ich, wenn Leute bei einem Festival zu meinem Stand kommen: "Schau, die haben noch Tapes!" Es ist zwar eine ältere, bereits auslaufende, aber dennoch zuverlässige Technologie. Sie haben wirklich ihren eigenen Charme, wenn man sie aufmacht, das Booklet aufklappt usw.

CD-technisch, was bleibt da zu sagen? Das Problem dabei ist, dass sie den Markt beherrschen. Aber was ich bei Labels nichtsdestotrotz nicht verstehen kann, dass, wenn sie Alben produzieren, nur vier Seiten Beiheft dabei sind. Da frage ich mich, wofür man € 10,- oder mehr bezahlt, denn die Musik alleine macht das Album auch nicht aus. Ich glaube, dass man einfach etwas Schönes in der Hand hält, wobei man auch die Plastik-Jewel Cases und Digipaks unterscheiden muss. Wir versuchen, auch den Trend auf Digipaks zu verlegen, da diese einfach schön aussehen und viel hermachen. Leider sind diese teurer als normal und daher sind wir auf die Leute angewiesen, deren Käufen, um darauf auf die Dauer umzusteigen.

Zu den Schallplatten. Das ist sowieso das Beste. Selbst für die Leute, die noch nie Platten gehabt haben: Schallplatten haben einfach einen anderen Effekt. Wenn man sich das jetzt ansieht: Eine Kassette ist klein und handlich, eine CD ist schon größer, aber eine Schallplatte ist einfach der Wahnsinn. Man hat so viele Möglichkeiten, das Artwork zu gestalten und ebenso ein gutes Beiheft beizulegen. LPs können ebenso mit Bildern gepresst werden, sogenannte Pic-LPs. Es soll nicht materialistisch klingen, aber es sieht einfach besser aus. Und auch der Sound ist ein Wahnsinn, auch das Kratzen und Knistern der Nadel auf der Platte, was man bei anderen Sachen, wie eben CDs, nicht hat.

Ich denke auch, dass der Trend wieder in Richtung Vinyl gehen wird, auch weil man so viele Gestaltungsmöglichkeiten hat. Und das ist echt eine feine Sache. Dadurch, dass ich von allen drei Tonträger-Varianten etwas besitze, bin ich echt froh, von allem etwas zu haben.

Damit bin ich am Ende mit meinen Fragen angelangt. Ich danke dir erneut fürs Zeit Nehmen und wünsche dir zukünftig noch viel Erfolg. Die letzten Worte gehören dir.

Erstmals bedanke ich mich für das doch sehr andauernde und luftraubende Interview, hehe. Ich freue mich, dass sich Rotting Hill bzw. du dir Zeit genommen hast. Ich hoffe, dass die Ideale, der eigentliche Wert und Sinn des Labels und der Ambitionen, die wir versuchen zu vertreten, den österreichischen Black Metal wieder zu fördern, etwas daraus zu machen, von den Leuten geschätzt wird.

Ebenso möchte ich mich bei allen Freunden, Kunden, Bands und Unterstützern bedanken, die uns durch die bisherigen drei Jahre begleitet haben.

Mit dem möchte ich mich jetzt verabschieden und noch einmal sehr herzlich bedanken.

Interviewdatum: August 2012
Homepage: KLICK
Redakteur: Florian
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