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Demos sind seit der Anfangszeit des Metals eines der wichtigsten Plattformen für den Tausch und das Kennenlernen von Musik. Bevor es die einschlägigen Internetplattformen gab, wurden Tapes rund um die Welt geschickt, wodurch spätere Helden der Musik wie "Venom", "Possessed" oder "Darkthrone" sich einen Namen im Untergrund gemacht haben. Heutzutage sind sie immer noch ein wichtiges Mittel für die Promotionarbeit und die Bewerbung bei Labels. Gerade im Black Metal Bereich haben Demos immer noch einen hohen Stellenwert und haben darüber hinaus durch ihr oft amateurhaftes Aussehen und die beschränkten Aufnahmemöglichkeiten einen ganz eigenen Charm. Nicht zuletzt weil früher aus Kostengründen, heute wohl eher aus nostalgischen Motiven oft die Musikkassette als Medium benutzt wird, das sonst in der Musikkultur eher ausgestorben ist.
Wenn man alte Demos von mitlerweile etablierten Bands hört, lernt man viel über den Charakter, die Ursprünge und den Werdegang einer Band und werden dementsprechend von Sammlern und Fans über Tauschbörsen und ähnliches oft zu sehr hohen Kursen angeboten.
Im folgenden werde ich versuchen, einen Querschnitt von wichtigen und qualitativ hochwertigen Demos wieder zu geben, ohne mir Grenzen im Genre oder Alter zu setzen. Wichtig ist aber, dass alle genannten Demos noch in irgendeiner Weise, ob durch Re-Releases, Bonustracks oder ähnliches, erhältlich sind.
Es geht los mit einem Geheimtipp aus dem Avantgarde/Progressive Metal Bereich:
Portal – Demo "Portal" war so etwas wie ein kleines Projekt für zwischendurch für Paul Masvidal, Jason Gobel und Sean Reinert von "Cynic". Nur geht es hier wesentlich ruhiger zu, als bei eben jenen. Der größte Unterschied ist wohl, dass eine Frau am Mikrophon steht. Diese gibt ihr Organ nicht in üblicher Weise zum besten, sondern verwendet einen sehr originellen Stil, der fast meditativ ist und sich perfekt in das musikalische Ambiente einfügt. Womit wir beim nächsten Punkt wären, denn "Portal" haben keinerlei Death Metal Einflüsse mehr. Eher würde ich es als eine Mischung aus Progressive, Avantgarde und Ambient bezeichnen, die aber auch auf einem galaktischen Konzept aufbaut. Ein Teil des Demos ist auf dem Re-Release von "Cynic"s Debüt "Focus" als Bonustrack zu hören, welches noch ohne Probleme erhältlich sein sollte.
Hellhammer - Demon Entrails Wer kennt sie nicht, die Urväter des extremen Metals. Aus dieser Band sollte sich einige Jahre die mitlerweile ja leider aufgelösten "Celtic Frost" entwickeln. Kaum eine andere Formation wird so häufig von Bands aus dem Black, Thrash und Death Metal Sektor als Einfluss genannt. Sowohl die LP-Box, als auch das CD-Digibook dieser Compilation enthalten die ersten drei Demos. Mit Songs wie "Triumph of Death", "Maniac" und "Execution" hat die Band damals Metalgeschichte geschrieben. Dabei muss man immer im Hinterkopf behalten, dass das erste Demo "Death Fiend" bereits 1983 auf den Markt kam.
Possessed – Death Metal Wir kommen zu einem echten Klassiker. Nicht nur, dass ein ganzes Genre vermutlich nach diesem Genre benannt wurde, auch musikalisch ist es einer der wichtigsten Releases für den extremen Metal. Ein deutlicher Einfluss aus dem Thrash Metal ist zwar noch zu hören (gerade "Slayer" waren prägend für "Possessed"), aber im Gesamten gingen "Possessed" einen Schritt in Sachen Härte und Stumpfheit weiter. Auch spielten sie in extremen Maße mit satanischer Symbolik und wurden somit auch zu einem großen Einfluss für spätere Black Metal Bands. Jeder einzelne Track des Demos gilt heute nicht umsonst als ein zeitloser Klassiker. Wer die originalen Aufnahmen bevorzugt, sollte zu dem Bootleg "The Demos 1984-1992" greifen. Ansonsten sind alle Tracks auch auf dem Debüt "Seven Churches" vertreten.
Nirvana 2002 – Disembodied Spirits/Promo '91 Gute Nachrichten für alle Death Metal Fans! Die Demos von "Nirvana 2002" wurden sowohl auf CD, als auch auf LP wieder veröffentlicht und nicht zuletzt dadurch bekommen sie trotz ihrer Auflösung, die nun schon ein paar Jahre her ist, nun endlich den verdienten Respekt gezollt. Man bekommt rumpelnden, klebrigen oldschool Death Metal der skandinavischen Schule geboten und das auf höchstem Niveau. Musikalisch durchaus mit den Frühwerken von "Grave", "Dismember" und "Abhorrence" vergleichbar, wenn auch vielleicht eine Spur doomiger und meiner Meinung nach sogar auch besser. Sänger Orvar Säfström war nebenbei bemerkt auch auf der "Crawl EP" von "Entombed" der Mann hinter dem Mikro, insofern sollten die musikalischen Wurzeln auch klar werden.
Darkthrone – Frostland Tapes "Frostland Tapes" stellt eine umfangreiche Kollektion von fast allen "Darkthrone" Demos dar. Veröffentlicht wurde dies über Peaceville Records und kommt in einem schicken Digibook mit drei CDs daher. Muss man noch mehr sagen? Vielleicht, dass "Darkthrone" nicht immer Black Metal (oder wie heute eine punkigere Version davon) gespielt haben. Auf den Demos wird einem räudiger Death Metal aufgetischt, der aber nur unwesentlich weniger essentiell ist, als die Black Metal Klassiker. Daneben bietet der Re-Release noch einen Live Auftritt und instrumentale Versionen der Songs. Also gilt: Zugreifen!
Dornenreich - Mein Flügelschlag "Dornenreich" wurden über die Jahre unglaublich populär für Genreverhältnisse. Wie das zu bewerten ist, sei mal dahin gestellt. Fakt ist aber, dass ihr erstes Demotape "Mein Flügelschlag", das immer noch über den Shop ihres aktuellen Labels erhältlich ist, ein einwandfreies Stückchen Black Metal ist, das schon damals die Genregrenzen gesprängt hat, aber dennoch wesentlich agressiver und dilletantisch-charmanter vorgegangen sind. Das Keyboard könnte für manch einen ein Problem sein, aber es hebt sich doch deutlich von der kitschigen Synthie Variante moderner Power Metal Kapellen ab. Die Vocals sind übrigens zwar unausgereifter, aber haben eine sehr zerschneidende Wirkung, da wohl nach dem Motto "Schrei alles raus" vorgegangen wurde.
Omega Massif – Kalt "Omega Massif" sind eine deutsche, instrumentale Doom/Sludge Band, die mitlerweile recht viel Aufmerksamkeit bekommen hat, was wohl auch auf das einwandfreie Demo zurück zu führen ist. "Kalt" bietet vier Songs, die alle in Überlänge eine unglaublich bedrückende und kalte Atmosphäre ausstrahlen und für mich auch weitaus beängstigender klingen, als manch eine Black Metal Kapelle. Das Demo wurde als schicke Pic-LP re-released. Vinyl Freunde sollten also erst recht zuschlagen.
Paysage d'Hiver – Alles Hierbei handelt es sich um ein sehr mysteriöses Black Metal/Ambient Projekt, das von Winterherr, auch bei "Darkspace" aktiv, gegründet wurde. Interviews sucht man vergebens und alle Veröffentlichungen werden als Demos gelistet. Für mich gehört das Projekt zu einen der wenigen, die es schaffen Ambient und Black Metal zu mischen, ohne dass es aufgesetzt oder unausgereift wirkt. Zudem versprüht die Musik zu jeder Zeit einen Hauch von Winter und Kälte. Auch hat er reine Ambient Tracks gemacht, die ich aber nur eingeschränkt empfehlen kann. Als erstes sollte man sich mit den Black Metal lastigeren Sachen befassen, insbesondere die S/T stellt für mich ein wichtiges Stück Musikgeschichte dar.
Drautran – Unter dem Banner der Nordwinde "Drautran" haben von dem guten Geschmack der Prophecy Productions Inhaber profitiert, denn diese ermöglichteten es ihnen, ihr Demo als Digipack CD noch einmal neu aufzulegen. Lange Zeit gab es nach dem Demo nichts von der Band zu hören, bis sieben Jahre später das Debüt erschien. Seitdem gab es aber aufgrund von räumlichen Disparitäten der Bandmitglieder nichts neues zu hören. Wer die Band nicht kennt sei gesagt, dass sie nicht everybody's darling sein kann und will. Recht progressiver Black Metal in ausgzeichneter Tonqualität mit tollem, melodischen Riffing, abwechslungsreichem Gesang und einer dichten Atmosphäre zeichnet die Band aus.
 Brocken Moon – 10 Jahre Brocken Moon "Brocken Moon" ist das Soloprojekt von Humanhater und wurde in erster Linie durch die Mitgliedschaft von Grim, der den meißten durch "Aaskereia" ein Name sein sollte, bekannt. Auf dieser Doppel CD findet man alle fünf Demos, die von reinem Ambient bis zu garstigen Lo-Fi Black Metal alles bieten. Zwar findet man qualitative Unterschiede zwischen den Demos vor, aber für das Geld bekommt man hier viel geboten. Das Debüt "Das Märchen vom Schnee" ist für mich aber wesentlich ausgereifter.
Nihilist - Nihilist (1987-1989) Auf dieser Compilation mit Songs von sechs verschiedenen Demos findet man die Quintessenz der schwedischen Death Metal Szene. Räudig, nicht zu schnell, eingängig und unglaublich böse. Das ist "Nihilist". 1989 hat sich die Band dann zu "Entombed" umbenannt und dort weitergemacht, wo "Nihilist" aufgehört hat. Allerdings ohne L.G. Petrov, der auch bei "Morbid" aktiv war.
Arckanum – Trulen Und wieder ein Klassiker. "Arckanum" war schon immer besonders. Sei es, auch wenn er sich vor der Bezeichnung Pagan Black Metal streubt, die doch irgendwo naturverbundene Atmosphäre, der extreme Gesangsstil oder das Geheimnis, das er aus seiner Person macht. So sehr "Arckanum" auch fasziniert, so sehr kann man uneingeschränkt, insbesondere seine alten Werke, empfehlen. Das Demo "Trulen" macht da keine Ausnahme. Wer nichts mit der alten skandinavischen Black Metal Schule anfangen kann, sollte hiervon aber die Finger lassen, es ist wirklich eine sehr einzigartige Musik.
Alcest - Tristesse Hivernale Mitlerweile ist das Projekt von Neige mehr in Richtung Shoegaze und Post-Rock abgedriftet, aber seine Wurzeln im Black Metal werden hier mehr als deutlich. Die Soundqualität ist leider relativ beschränkt, aber die Ansätze der Musik werden hier dennoch deutlich. Schon damals hatte er ein Gespür für Melodien und Arrangements, was er zweifelsohne über die Jahre verfeinert hat.
Baxaxaxa – Hellfire
Ein Urgestein der deutschen Black Metal Szene sind "Ungod". "Baxaxaxa" ist soetwas wie ein Nebenprojekt und bietet ursprünglichen und primitiven Black Metal, der aber doch irgendwo eingängig ist und definitiv zu dem Besten gehört, was aus dem deutschen Land gekommen ist. 1992 kam das Tape raus und zehn Jahre später wurde es als Split LP mit einem zusätzlichem Beitrag von "Ungod" neu aufgelegt. Nicht ganz so einfach erhältlich wie andere genannte Demos, aber durchaus im Bereich des möglichen. Hier lohnt sich nichtsdestotrotz der Zeitaufwand für eine kleine Suche im Internet.
Ulver – Vargnatt Neben der "Nattens Madrigal" wohl die einzige Veröffentlichung von "Ulver", die als reinrassiger Black Metal durchgeht. Dass die Band mitlerweile elektronische und avantgardistische Musik spielt, hört man dem Demo nicht an. Hier regiert die stumpfe Seite des Black Metals, gemischt mit akustischen Gitarrenklängen und tollen Vocals. Ein Klassiker dieses Subgenres. Die Kenner werden sowieso schon im Besitz dieses Re-Releases sein, den anderen sei der Kauf nur empfohlen. Die Din-A5-Digipack Aufmachung macht sich auch sehr gut im Regal.
Ved Buens Ende... - Those Who Caress The Pale "Those who caress the pale" wurde genauso wie "Ulver"s "Vargnatt" von Kyrck Production wieder veröffentlicht und ist auch als Din-A5-Digipack Version erhältlich. Der Black Metal Anteil ist hier aber wesentlich geringer, als bei den Labelkollegen. "Ved Buens Ende..." spielten als einer der ersten mit progressiven und avantgardistischen Klängen und experimentierten mit Einflüssen aus den verschiedensten Genres. Der klare Gesang ist wohl durchaus gewöhnungsbedürftig aber als Gesamtpacket funktioniert diese Veröffentlichung wie keine Zweite.
Farsot – 042103Freitod Und wieder eine Prophecy Band, die nicht gerade mit Veröffentlichungen um sich schmeißt. Dennoch sei das Demo jedem ans Herz gelegt, der etwas mit dem Debüt von "Farsot" anfangen kann. Nicht ganz so ausgereift, dafür aber mit einem ganz eigenen Charm wird hier melancholischer Black Metal fabriziert, der, wie der Titel schon ahnen lässt, nicht zum Blümchenpflücken anregt, sondern eher etwas für die einsamen Stunden ist.
Isengard – Vinterskugge Hierbei handelt es sich um ein mitlerweile aufgelöstes Soloprojekt von Fenriz ("Darkthrone"), das aber viel mehr in die Folk und Pagan Metal Richtung geht und sich durch Fenriz' Klargesang auszeichnet, der die zum Großteil norwegischen Texte in einer sehr charmanten Art und Weise vorträgt. "Vinterskugge" umfasst alle drei Demos und hat somit auch den reinen Black Metal der ersten Tage auf Lager.
Agalloch - From Which of This Oak Für dieses Demo gilt ähnliches wie bei "Dornenreich" und "Alcest". Wenn man die Diskografie von "Agalloch" als eine Entwicklung sieht, so ist dieses Demo der logische Anfang. Die neuartigen Klänge und Melodien werden hier schon deutlich, aber der gewöhnliche Black Metal Anteil ist deutlich höher. Gerade der Gesang und die Arrangements sind hier zwar bei weitem nicht so ausgearbeitet wie auf den letzten beiden Alben, aber es handelt sich hierbei dennoch um einzigartiges Stück Tonkunst, das erfreulicherweise von der Eisenwald Tonschmiede als schicke Pic-LP veröffentlicht wurde.
Artillery – Through The Years Damit der Thrash Metal auch erwähnt wird, möchte ich diese 4-CD-Box von den Dänen "Artillery" ansprechen. Diese bietet neben fünf Demos alles, was sich der "Artillery"-Fan wünschen kann. Die Musik geht eher in die melodische, gediegenere Richtung, wie "Slayer" & Co., aber dennoch schafft "Artillery" es, dass die Musik nicht wie ein weichgespühlter Abklatsch klingen. Thrash Metal kann eben auch so klingen.
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