V.A. - Metalmessage V
Ein Jubiläum! Ich darf das erste Review über eine V.A.-Compilation in der Geschichte unseres Webzines schreiben. Dass das gerade bei einer so aufwendig gestalteten Compilation relativ viel Arbeit mit sich bringt, ignoriere ich einfach mal mit Hilfe eines großen Bechers Kaffee und den feinen, heidnischen Klängen der CD im Hintergrund. Bevor ich zu der Musik an sich komme, die ich im Song-By-Song Verfahren abarbeiten werde, da ich das bei einer solchen Compilation für am sinnvollsten halte, werde ich ein paar Worte über das Drumherum und die Aufmachung verlieren, denn gerade das ist etwas, was diesen Sampler von den meisten anderen unterscheidet.
Es finden 13 Bands aus Ländern wie Deutschland, Brasilien, Spanien und Russland in der Tracklist Platz. Meist stammen diese aus dem Pagan- und Viking Metal Bereich. Im Gegensatz zu den letzten Veröffentlichungen aus dieser Reihe, kommt "V" in einer schicken, blauen DVD Hülle ins Haus geflattert. Diese wird von dem handgemachten Cover des bekannten Künstlers "Ed Repka" geziert. Der Titel des Bildes ist "Thor's Fight Against Cave-Trolls", was den Inhalt auch ganz treffend beschreibt. Für meinen Geschmack vielleicht ein wenig kitschig, aber objektiv gesehen natürlich vom handwerklichen ein sehr gut gestaltetes Cover. Aber auch in der DVD warten einige Überraschungen: Mein persönliches Highlight, das aufwendig gestaltete Booklet bietet neben Fotos und Beschreibungen von allen vertretenen Bands wunderschöne Naturaufnahmen, die stilvoll in Szene gesetzt werden. Daneben findet man eine spezielle Botschaft, die auf einem kleinen, festen Stück Bio-Papier gedruckt wurde. Hier verkündet Markus Eck, was ihm die Musik bedeutet (auch wenn die Aufmachung und die damit verbundenen Kosten schon mehr als tausend Worte sprechen) und richtet noch ein paar Worte an die Hörer, die ich aber nicht vorwegnehmen möchte.
Die CD ist natürlich limitiert und handnummeriert. Es existieren insgesamt 2000 Exemplare; der geneigte Pagan Metal Fan sollte also schnell zugreifen. Nur für die Aufmachung und die Mühe, die dahinter steckt, hätte die Compilation auf jeden Fall die Höchstpunktzahl verdient. Aber den Faktor Musik muss ich auch berücksichtigen und dazu komme ich jetzt.
Den Anfang machen die Thüringer von "Fimbulvet", die sich gerade in Deutschland einen kleinen Namen durch Konzerte mit zum Beispiel "Geïst" gemacht haben und für mich persönlich auch einer der Highlights dieses Samplers sind. Der Klargesang überwiegt bei dem Track, welcher durchaus mit dem von "Heidevolk" vergleichbar ist, aber auch ein teutonisches Gekrächze kommt durch. Die Riffs sind schleppend und episch, hier passt fast alles.
Es folgt eine deutlich rauere Band namens "Hromovlad", welche aus der Slowakei stammen. Das gute an solchen Samplern ist ja immer, dass man unbekannte Bands kennen lernt, die man sonst wahrscheinlich nie hätte hören können. Dies ist bei dieser Band der Fall. Mit folklorischen und angehärteten Melodien wummern die dezenten Gitarren vor sich her, viel präsenter ist aber der tolle Schreigesang, der in der Heimatsprache die heidnische Hymne verkündet, und eine Flöte, die eine tollen und nicht kitschigen, folklorischen Einfluss mit sich bringt. Top!
Und es geht auch genauso gut weiter. Die Russen von "Tumulus" spielen verspielten Folk Metal mit (selbstgespielten!) Flöten, folkloristischen Instrumenten und Maultrommel. Der Gesang ist in seiner Ureigenheit wahrscheinlich für die meisten relativ gewöhnungsbedürftig, aber für mich ist es die reinste Form von Folk Metal Gesang, die ich je gehört habe. Sogar ein Gitarrensolo wird uns noch spendiert, welches aber in Relation zum Ganzen eher bescheiden wirkt.

"Dark Forest". Welch einfallsreicher Name. Von den mindestens fünf existierenden Metal Bands mit diesen Namen, handelt es sich hierbei um die kanadischen Vertreter. Eigentlich ist es nur ein Vertreter, denn es handelt sich hierbei um ein Soloprojekt. Dieser ist relativ facettenreich und mir persönlich fiel es schwer, sich in den Song hinein zu hören. Dazu muss man sagen, dass das Songwriting leider auch nur durchschnittlich ist und auch der Gesang das Mittelmaß nicht übertrifft. Nicht schlecht, aber es gibt auf dieser Compilation deutlich besseres.
Black Metal aus Brasilien... Interessant, was uns für den Sampler zusammengesucht wurde. "Tiwaz" spielen melodischen Black Metal mit einem eher störenden Keyboard und interessanten Klargesang, der die Härte der Songs zwischendurch durchbricht. Streckenweise wird der Song ein wenig langatmig, aber im Großen und Ganzen eine nette Entdeckung.
Es folgt der für mich schlechteste Vertreter auf diesem Sampler. "Dyrathor" spielen Pagan Metal, so wie er zur Zeit eben beliebt ist... Sie kommen ganz nach "Equilibrium" und haben erst ein Demo veröffentlicht, insofern darf man der Band auch noch die Zeit geben, um einen eigenen Stil zu entwickeln. Der Song steht mit dem furchtbaren Keyboard und dem mittelmäßigen Songwriting, gerade im Gegensatz zu den anderen Bands des Samplers eher schlecht da.
Huch, was durchbricht die heidnische Idylle? "Xerión" aus Spanien! Rauer Black Metal mit einem nicht störenden Keyboard, schnellem Drumming und einen ganz netten, schwarzmetallischen Gesang. Der Song bietet ein wenig Kontrast zum Rest des Samplers und rüttelt einen schön wach. Mir gefällt er.
"Adorned Brood" sollten ja allen Anhängern dieser Richtung ein Begriff sein, die Deutschen haben auf Festivals wie dem Wacken Open Air gespielt und die älteren Sachen, die ich kenne, gefallen mir auch ganz gut. Der Song geht aber gar nicht. Die härteren Passagen wirken aufgesetzt und alles andere als hart. Und als nach etwas mehr als eineinhalb Minuten der klaren Frauengesang mit dem Keyboard einsetzt, hätte ich mich fast übergeben... Nehmt es mir nicht böse, ich weiß, dass ihr mehr könnt, aber das geht gar nicht.
"Waylander" nennen sich die Engländer, die endlich mal alle folklorischen Instrumente selber spielen und das auf eine bezaubernde Art und Weise. Das Riffing und der Schreigesang sind ganz nett und zusammen mit dem guten Songwriting handelt es sich hierbei durchaus um ein kleines Juwel des Samplers.
Auch Belgien darf mal. "Natan" gehen wieder mehr in die schwarzmetallische Richtung, wenn natürlich auch hier alles melodiös gehalten ist. Die Gitarren preschen ganz gut nach vorne und wechseln sich ab und zu mit schleppenden Akkorden ab. Allerdings fehlt es mir an Höhepunkten und so bleibt dieser Song auch leider nur im durchschnittlichen Bereich.

Ohja, "Andras" kennt wohl jeder, der Interesse an diesen Sampler hat. Der Klargesang wird oft von einem Keyboard unterlegt und ist ganz ansehnlich präsentiert. Auch die härtere Gangart, wegen der ich die Band eigentlich schätze, kommt zum tragen und so gefällt mir ihr Stück mit am besten.
"Obscurity" tummeln sich ja schon seit einiger Zeit in der deutschen Pagan Metal Szene und haben durchaus ein paar nette Sachen auf den Markt geworfen. Das Lied gefiel mir bereits seit dem ersten Durchgang, eine Mischung aus Härte und Mitgröhleffekt. Sehr nett, was sie hier geschrieben haben und der Gesang strahlt eine tolle, bedrückende Atmosphäre aus.
Den Abschluss des Samplers machen "Vinternatt". Und auch hier kann man wieder großes erwarten, denn die Belgier präsentieren ihre Mischung aus Folk und Black Metal nicht kitschig und unausgereift, sondern spielen den Kontrast zwischen folklorischen Einflüssen, der gerade durch Violine deutlich wird, und der Black Metal-typischen Härte gut aus.
Es folgt das Fazit. Da der Sampler eine beachtliche Spielzeit von ungefähr 1,2 Stunden aufweist, fühle ich mich jetzt dementsprechend ausgelaugt, auch wenn es durchaus Spaß gemacht hat. Mich persönlich hat der Sampler wieder ein wenig näher an diese Musikrichtung gebracht und Hunger auf mehr gemacht. Die Arbeit und Leidenschaft, die in dieses Projekt investiert wurden, werden in meiner Bewertung natürlich dementsprechend gebührt. Einen Punkt ziehe ich ab, da nicht jeder Song das erwartete Niveau halten kann. Dennoch hat der Sampler sein Vorhaben annähernd perfekt umgesetzt. Respekt!
Tracklist: 01. Fimbulvet - Helias Bann
02. Hromovlad - Slava
03. Tumulus - Kochevonov Plyas
04. Dark Forest - Journey To Ever-Eternal Skies
05. Tiwaz - The Battlelore
06. Dyrathor - Im Auge Des Sturms
07. Xerion - No Pazo Derruido Da Existencia
08. Adorned Brood - Sons Of The Damned
09. Waylander - As Deities Clash
10. Natan - Volkskracht
11. Andras - Miasma Track
12. Obscurity - Nach Asgard Wir Reiten
13. Vinternatt - De Zwarte Mis